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2. November 2026

Spürnasen im Hörsaal: Wenn die Hochschule zum Einsatzgebiet wird

Zwischen Hörsälen, Laboren und versteckten Winkeln des Hochschulgebäudes arbeiten sich die Hunde der Spürnasen Spezialeinheit von Ute Sinnecker Spur für Spur voran. Wo sonst Studierende zielstrebig auf Vorlesungen und Seminare zusteuern, prüfen nun sensible Hundenasen Flure, Türen und Treppenaufgänge – und verwandeln die Hochschule Aalen für einen Tag in ein vielseitiges Trainingsgelände für sechsbeinige Suchteams.

Ute Sinnecker, die vor einigen Jahren an der Hochschule Aalen studiert hat, steht mit ihrem Golden Retriever Aaron - der aufmerksam in die Kamera schaut - vor dem Audimax. Im Hintergrund ist ein großes Werbebanner der Hochschule zu sehen.

Vertraut und irgendwie doch alles anders: Vor einigen Jahren absolvierte Ute Sinnecker an der Hochschule Aalen ihr Bachelorstudium in Technischer Redaktion – kürzlich kehrte sie in einer ganz anderen Rolle zurück. Sinnecker, die hauptberuflich bei der Rommelag Engineering GmbH tätig ist, gründete 2021 die Spürnasen Spezialeinheit. Ihr Unternehmen bietet professionelle Trainings für Mensch-Hunde-Teams an, unter anderem im Hundesport und in der Suche nach vermissten Haustieren. Dass sie sich einmal nebenberuflich dem Hundetraining widmen würde, hätte die heute 46-Jährige als Kind wohl kaum gedacht: Damals hatte sie noch Angst vor Hunden. Mit dem Golden Retriever „Flækingur“, der später in die Familie kam, änderte sich das schnell. 

Sechsbeinige Suchteams

„Es ist einfach faszinierend, dass Hunde Dinge anzeigen können, die wir Menschen weder sehen, noch spüren oder riechen können. Ihre Nase ist ein wahres Wunderwerk“, sagt Ute Sinnecker begeistert. Hunde nehmen Gerüche viel feiner wahr – bei bestimmten Gerüchen gilt ihre Nase im Vergleich zur menschlichen als etwa 10.000- bis 100.000-mal empfindlicher. Eine ganz besondere Fähigkeit, die beim Aufspüren von Menschen, anderen Tieren oder Dingen äußerst hilfreich sein kann. „Damit daraus aber eine gezielte Suche wird, braucht es neben der besonderen Hundenase auch regelmäßiges Training und ein gutes Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch, damit sie zu einem guten ‚sechsbeinigen‘ Such-Team werden“, betont Ute Sinnecker. Und weil die Hunde ihre Welt hauptsächlich über Gerüche wahrnehmen würden, gehöre die „Nasenarbeit“ zu den artgerechtesten und sinnvollsten Beschäftigungen für Hunde. „Das gezielte Aufspüren bestimmter Gerüche ist eine geistige Herausforderung, es fördert Konzentration sowie Selbstvertrauen und stärkt die Mensch-Hund-Bindung“, so Sinnecker. 

Abwechslungsreiches Trainingsfeld an der Hochschule Aalen

Wie sich eine solche Zusammenarbeit in einer ungewohnten Umgebung gestaltet, übte Ute Sinnecker kürzlich bei einem Training für Hundehalterinnen und -halter in der Hochschule Aalen. Und selbstverständlich war auch Aaron mit von der Partie. Für den fünfjährigen Golden Retriever der Hundetrainerin bot die Hochschule ebenso wie für seine Artgenossen mit ihrer Größe, den unterschiedlichen Räumen, offenen Fluren und unzähligen Türen ein abwechslungsreiches Trainingsfeld. „Das ist super spannend hier, denn drinnen verhalten sich Gerüche aufgrund der thermischen Bedingungen anders als draußen. Zudem sind hier in den Gängen tausende von Studierenden unterwegs, die alle andere Duftspuren hinterlassen. Das ist für die Hunde eine ganz andere Welt!“, sagt Ute Sinnecker. „Und es macht großen Spaß, mal wieder hier an der Hochschule zu sein und sich an die alten Studienzeiten zu erinnern – vor allem natürlich an die Studentenpartys, die waren super!“, fügt sie lachend hinzu.

Spannende Kombination zwischen Theorie und Praxis

Bevor Ute Sinnecker an der Hochschule studierte, absolvierte sie eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin in der Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik. „Als ich damals vom Studiengang ‚Technische Redaktion‘ hörte, dachte ich gleich: Wie cool, das will ich machen!“, erinnert sie sich. Die Kombination zwischen Theorie und Praxis – vor allem im Medienlabor der Hochschule – sei abwechslungsreich und spannend gewesen. Der Studiengang, der sich seither zum Studienangebot „Information Design“ weiterentwickelt hat, habe ihr viel Spaß gemacht. Nach ihrem Berufseinstieg als Technische Redakteurin hat Sinnecker nebenberuflich ihren Master „Medienkulturen und Medienbildung“ an der Universität Rostock gemacht. Heute ist die 46-Jährige bei Rommelag für die Aktualisierung der Betriebsanleitung bei Maschinenmodifikationen verantwortlich und unterstützt die Einführung eines neuen Redaktionssystems.

Hundetraining als Ausgleich zum technisch geprägten Berufsalltag

Als Ausgleich zu ihrem technisch geprägten Berufsalltag begann sie dann vor über zehn Jahren mit ihrem damaligen Hund Flækingur mit dem „Mantrailing“ – einer Suchform, bei der Hunde der individuellen Geruchsspur einer bestimmten Person folgen. Zeitnah ließ sich Sinnecker selbst zur Trainerin ausbilden. „Sich draußen an der frischen Luft zu bewegen und mit dem Hund zu trainieren – da muss man umdenken und kann die beruflichen Herausforderungen mal gedanklich ruhen lassen“, sagt die Hundetrainerin, die häufig auch von Personen kontaktiert wird, die ein Haustier vermissen. „Von Katzen über Schildkröten bis hin zu einem entlaufenen Jungbullen und einer Bartagame war schon alles dabei“, so Sinnecker. Wenn ein Tier zu seinem Besitzer zurückgebracht werden kann, sei das natürlich ein besonders schöner Moment. „Auch wenn ich das Ganze nebenberuflich mache, fühlt sich das eigentlich wie Freizeit an“, sagt die Alumna der Hochschule Aalen. „Es ist einfach toll, dass ich sowohl mit meinem Haupt- als auch mit meinem Nebenberuf zwei Sachen mache, die mir beide wahnsinnig gut gefallen und mein Leben bereichern.“

Foto: Vor einigen Jahren studierte Ute Sinnecker an der Hochschule Aalen, jetzt bot der Campus für ihren Golden Retriever Aaron und weitere „Spürnasen“ einen spannenden Trainingsparcours.

Fotohinweis: © Hochschule Aalen | Saskia Stüven-Kazi

 

 

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