Die Begeisterung für Technik begann bei Prof. Dr. Doris Aschenbrenner schon lange vor Studium und Forschungskarriere. „Ich wollte schon als Kind einen Roboter bauen, der am besten mein Zimmer aufräumt“, erzählt sie und lacht. Ganz gelungen sei das bis heute noch nicht, aber die Betonung liege auf noch, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Die Faszination für intelligente Maschinen blieb jedoch. Schon als Schülerin nahm die gebürtige Oberfränkin aus Rödental mehrfach an „Jugend forscht“ teil. Heute sitzt sie selbst in der Jury des Wettbewerbs und begleitet junge Talente auf ihrem Weg in die Wissenschaft.
Nach dem Informatikstudium und der Promotion an der Universität Würzburg führte ihr wissenschaftlicher Weg zunächst in die Niederlande. An der TU Delft arbeitete sie als Postdoktorandin und später als Assistant Professor an Fragen der Mensch-Roboter-Kollaboration. Die Zeit dort hat ihren Blick auf Forschung nachhaltig geprägt. Während Wissenschaft häufig in einzelnen Fachdisziplinen organisiert sei, entstünden die spannendsten Erkenntnisse oft an deren Schnittstellen. Um diese Überzeugung zu erklären, verwendet Aschenbrenner gerne eine Metapher: Wissenschaft gleiche einem Feld voller Bohrtürme. Jeder bohre sein eigenes Loch und konzentriere sich auf sein Spezialgebiet. Die Chance, auf Gold zu stoßen, indem man immer tiefer bohre sei möglich, aber begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit steige jedoch immens, wenn in großer Tiefe Verbindungen zwischen den einzelnen Bohrlöchern grabe. „Oftmals lassen sich die besten Ergebnisse interdisziplinär erzielen“, schlussfolgert sie.
Der Mensch im Mittelpunkt der Technologie
Im Zentrum ihrer Forschung steht seit vielen Jahren das Konzept des „Human in Command“. Dahinter verbirgt sich die Frage, welche Rolle Menschen in zunehmend automatisierten Systemen übernehmen sollen. Bereits ihre Dissertation beschäftigte sich mit sogenannter „Human Supervisory Control“, also der menschlichen Überwachung komplexer technischer Systeme. Bis heute bildet dieses Thema den roten Faden ihres wissenschaftlichen Wirkens. „Meine Arbeit ist immer ähnlich“, erklärt sie. „Wie bauen wir Systeme in der Automatisierungstechnik so, dass aus der Kombination zwischen Mensch und Technik das beste Ergebnis entsteht.“ Für Prof. Dr. Doris Aschenbrenner geht es dabei ausdrücklich nicht darum, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Vielmehr sollen beide ihre jeweiligen Stärken einbringen. „Der Mensch soll künftig nicht nur das tun, was nicht automatisiert werden kann, sondern sinnstiftend mit Robotern und KI im Team wirken.“
Forschung beginnt in der Praxis
Wie dieser Ansatz in der Praxis aussieht, zeigen ihre Projekte, für die sie den Forschungspreis erhielt. Im Projekt „RecycleBot“ mit der Vorjahrespresiträgerin Prof. Dr. Iman Taha entwickelte ihr Team KI-gestützte Verfahren für die Sortierung von Kunststoffabfällen. Bevor jedoch die ersten Algorithmen programmiert wurden, stand praktische Arbeit auf dem Programm. „Bei RecycleBot hat mein Team zunächst mehrere Tage in der Anlage gearbeitet und Müll sortiert“, berichtet Aschenbrenner schmunzelnd. Erst wenn man die tatsächlichen Probleme verstehe, könne man sinnvolle technische Lösungen entwickeln.
Auch die weiteren ausgezeichneten Projekte folgen dieser Philosophie. Das Projekt „KI-Cockpit“ entstand gemeinsam mit der Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Regina Kempen und untersuchte praxisnahe Anwendungen für Human-in-Command-Systeme. Im RePAIR-Labor entwickelt das Team intelligente Robotiklösungen für nachhaltige Remanufacturing-Prozesse zusammen mit Prof. Dr. Nicole Stricker und Prof. Dr. Martin Heckmann. Mit einem Fördervolumen von 3,2 Millionen Euro gehört das Projekt zu den größten laufenden Forschungsvorhaben der Hochschule Aalen. Gemeinsam ist allen Projekten ihr interdisziplinärer Charakter. Technik wird dabei nie isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenspiel mit den Menschen, die sie nutzen.
Auszeichnung für einen Forschungsansatz
Für Prof. Dr. Doris Aschenbrenner ist genau das der Schlüssel zu erfolgreicher Forschung. Wissenschaft dürfe nicht ausschließlich innerhalb ihrer eigenen Fachcommunity stattfinden. „Nicht nur im stillen Kämmerchen in seiner abgeschlossenen Wissenschaftscommunity wirken, sondern den Blick über den Tellerrand und in die Praxis wagen“, beschreibt sie ihren Anspruch. Dieser Blick über Fachgrenzen hinweg hat sie zu einer der profiliertesten Stimmen im Bereich menschenzentrierter Künstlicher Intelligenz gemacht. Der Forschungspreis der Hochschule Aalen würdigt deshalb nicht nur beeindruckende Drittmittelzahlen oder erfolgreiche Forschungsprojekte. Er zeichnet eine Wissenschaftlerin aus, die technologische Innovation konsequent vom Menschen her denkt.
Aalen – mehr als nur ein Standort
Seit 2021 ist Aschenbrenner Professorin an der Hochschule Aalen. Als Stiftungsprofessorin für „Digitale Methoden in der Produktion“, gefördert durch die Carl-Zeiss-Stiftung, forscht und lehrt sie an der Fakultät Maschinenbau und Werkstofftechnik. Dort baut sie neue Ansätze für die intelligente Produktion der Zukunft auf und leitet das „Human in Command“-Labor. Darüber hinaus engagiert sie sich in wissenschaftlichen Gremien und Arbeitsgruppen, unter anderem im KI-Observatorium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie in der Plattform Industrie 4.0 der Bundesregierung. An der Hochschule Aalen gestaltet sie damit nicht nur Forschungsvorhaben, sondern auch die strategische Weiterentwicklung zentraler Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und nachhaltige Produktion. Die Entscheidung für Aalen habe sie dabei nie bereut. Im Gegenteil: „Die Hochschule und die Region haben früh erkannt, wie wichtig technologische Transformation für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft ist“, erklärt die Professorin. Die Region werde, davon ist sie überzeugt, nicht den Anschluss verlieren, sondern sich durch ihre Innovationskraft und ihre industrielle Stärke auch künftig erfolgreich weiterentwickeln.