Wie Kunststoffe recycelt werden können und welche Herausforderungen damit verbunden sind, erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler in einem interaktiven Workshop des Referats für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an der Hochschule Aalen. Das Format richtet sich regelmäßig an Oberstufenklassen und verbindet aktuelle Forschung mit praxisnaher Wissensvermittlung. Neuerdings übernehmen gezielt geschulte Studierende die Moderation der Workshops und vermitteln die Inhalte eigenständig an die Schulklassen – niedrigschwellig und auf Augenhöhe. Der Workshop ist Teil des Vorhabens „Studentische Nachhaltigkeitsbotschafter“, in dem Studierende dafür qualifiziert werden, Nachhaltigkeitsthemen methodisch fundiert in Schulklassen zu vermitteln. Ziel des übergeordneten Vorhabens ist es, Schülerinnen und Schüler in ihrer Abschlussphase dafür zu sensibilisieren, Nachhaltigkeitsengagement und Berufswahl zusammenzudenken.
Maya Wernsdorfer und Elif Duendar, beide Wirtschaftspsychologie-Studentinnen, führten den Workshop diesmal durch, unterstützt vom BNE-Team der Hochschule. Gemeinsam erarbeiteten sie mit den Elftklässlern die unterschiedlichen Recyclingrouten von Kunststoffen, diskutierten Vor- und Nachteile verschiedener Verfahren und beleuchteten die Rolle relevanter Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Theorie und Praxis griffen dabei unmittelbar ineinander. Anhand des sogenannten „Holimaker“-Systems – einem manuellen Spritzguss- und Recyclingsystem – konnten die Schülerinnen und Schüler selbst erleben, wie Kunststoffabfälle aufbereitet und erneut verarbeitet werden. Aus recyceltem Material entstanden dabei neue Kunststoffprodukte direkt vor den Augen der Teilnehmenden. Ergänzend erhielten sie eine Führung durch das Verarbeitungslabor der Hochschule Aalen, in dem industrielle Verfahren der Kunststoffverarbeitung vorgestellt wurden. Besonders anschaulich wurde der Bezug zur industriellen Praxis beim Herstellen eines kleinen Kunststoff-Karabiners: Nachdem die Jugendlichen selbst ein Modell im Kleinformat gefertigt hatten, sahen sie an einer großen Spritzgussmaschine, wie derselbe Prozess später in der Industrie abläuft. Auch das Spektroskopielabor der Hochschule wurde besucht. Dort erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie mithilfe spektroskopischer Verfahren unterschiedliche Kunststoffarten in der Sortierung vor dem Recycling identifiziert werden können. Selbst Alltagsgegenstände wie Ketchupflaschen wurden untersucht: Durch die Analyse des reflektierten Lichts lässt sich erkennen, aus welchem Kunststoff ein Produkt besteht – eine wichtige Grundlage für funktionierende Recyclingprozesse.
Gemeinsam lernen und in die Praxis eintauchen
Für Studentin und Workshopleiterin Elif Duendar war das Seminar eine besondere persönliche Erfahrung: „Nachhaltigkeit kann auch in der Wirtschaftspsychologie eine bewusste Rolle spielen – etwa im Change Management, das sich mit menschlichen Faktoren in Veränderungsprozessen beschäftigt. Gleichzeitig wollte ich durch den Workshop meine Moderationsfähigkeiten weiterentwickeln. Heute war das das erste Mal und damit auch ein kleiner Sprung ins kalte Wasser“, sagte sie lachend. Auch Chemielehrerin Karin Dietrich zeigte sich begeistert vom Besuch an der Hochschule: „Ich finde es eine großartige Sache für meinen Kurs, hierherkommen zu dürfen und Einblicke in die aktuelle Forschung zu erhalten. Dabei dürfen meine Schülerinnen und Schüler sogar direkt von Studierenden lernen. Besser und realitätsnäher geht es eigentlich nicht.“ Besonders positiv blieb den Jugendlichen die anschauliche Verbindung von Wissenschaft und Praxis in Erinnerung. Schülerin Viktoria Hoch betonte: „Die Laborführung, die Erklärungen der Recyclingrouten und das Arbeiten mit dem Holimaker waren sehr anschaulich und ein guter Ausgangspunkt für unseren Chemieunterricht, in dem Kunststoffe demnächst auf dem Lehrplan stehen.“
Genau hier setzt das Programm der „Studentischen Nachhaltigkeitsbotschafter“ an: Es sensibilisiert Schülerinnen und Schüler praxisnah dafür, Nachhaltigkeit und Berufswahl zusammenzudenken. Zugleich stärken Studierende als Vermittlerinnen und Vermittler auf Augenhöhe ihre fachlichen, kommunikativen und moderativen Kompetenzen – während Lehrkräfte von einem erfahrungsorientierten Format mit klarem Fachbezug profitieren.