Aalen. Eine gute Idee ist schnell formuliert. Ob daraus jedoch ein tragfähiges Geschäftsmodell werden kann, zeigt sich erst, wenn Zielgruppe, Nutzen, Wettbewerb, Finanzierung und Umsetzung zusammenpassen. Genau diesen Praxistest absolvierten Studierende des sechsten Semesters im Studiengang Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen (BWL für KMU) der Hochschule Aalen. Im Rahmen des Semesterprojekts „Geschäftsmodell und Businessplan“ präsentierten sechs Teams ihre Konzepte in den Räumlichkeiten der VR-Bank Ostalb eG.
Zu Beginn begrüßte Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb eG, die Studierenden und Gäste. Er unterstrich die Bedeutung eines starken Mittelstands und neuer Gründungen für die wirtschaftliche Entwicklung Ostwürttembergs. Zugleich verwies er auf die Rolle der regionalen Banken, die Unternehmen und Gründende mit Finanzierung, Beratung und persönlicher Begleitung tatkräftig unterstützen.
Anders als bei einer klassischen Lehrveranstaltung ging es bei diesem Format nicht allein um theoretisches Wissen. Die Teams mussten ihre Ideen schärfen, Annahmen überprüfen, Zahlen plausibilisieren und ihre Konzepte vor einem fachkundigen Gremium vertreten. „Die Studierenden erleben sehr konkret, dass eine Geschäftsidee erst dann überzeugt, wenn sie ein reales Problem löst und wirtschaftlich umsetzbar ist“, erklärt Prof. Dr. Holger Held, Dozent für strategische Unternehmensplanung und Start-up-Management. „Diese Verbindung aus Kreativität, Analyse und kritischem Feedback ist eine wertvolle Vorbereitung auf unternehmerische Aufgaben – unabhängig davon, ob später tatsächlich gegründet wird.“
Sechs Konzepte mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen
Ganz unterschiedliche Vorhaben präsentieren die Teams:
- Präsenzpunkt GmbH: unterstützt kleine und lokal tätige Unternehmen in Ostwürttemberg dabei, Verbesserungen bei Außenauftritt, Kundenkommunikation und interner Organisation pragmatisch umzusetzen. Klar definierte Leistungspakete sollen Beratung einfach, bezahlbar und direkt nutzbar machen.
- Perspekta GmbH: entwickelt eine Netzwerkinitiative, die Studierende der Wirtschaftswissenschaften regelmäßiger mit Alumni, Unternehmen und untereinander zusammenbringen soll. Ziel ist es, den Austausch zwischen Studium und Praxis dauerhaft zu stärken.
- Zum Muskelmacher GmbH: verbindet gesunde, frische Küche auf Restaurantniveau mit einem professionellen Partyservice. Durch die gemeinsame Nutzung von Küche, Einkauf und Personal sollen in Aalen ein alltagstaugliches Bistroangebot und flexible Cateringlösungen unter einer Marke entstehen.
- KickPack Performance GmbH: richtet sich an ambitionierte Amateurfußballer beim Übergang von der A-Jugend in den Herrenbereich. Eine Starter-Box mit Trainingsmaterial, strukturierten Plänen und perspektivisch digitalen Inhalten ergänzt das Vereinstraining gezielt.
- CampusSave: bündelt wichtige Angebote für Studierende in Ostwürttemberg in einer App – von Food Saving und Parkplatzbörse über Veranstaltungen und Jobs bis zur Wohnungs- und WG-Suche. Damit soll der Studienalltag einfacher, günstiger und übersichtlicher werden.
- Bellendes Hunderesort GmbH: führt Betreuung, Pension, Training, Hundefriseur, Gassi-Service und Fachhandel an einem Ort zusammen. Das Konzept reagiert auf die wachsende Nachfrage nach verlässlichen und ganzheitlichen Angeboten rund um den Hund.
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Kritische Fragen statt freundlicher Pflichtübung
Zur Jury gehörten neben Prof. Dr. Holger Held auch Michael Kohn, Firmenkundenberater der VR-Bank Ostalb eG, Marc Deppner, Firmenkundenberater der Kreissparkasse Ostalb, Pressesprecher der Kreissparkasse Ostalb, Steuerberater Frank Reinhart aus Aalen sowie Christian Kling, operativer Leiter des Gründungscampus der Hochschule Aalen. Sie prüften die Konzepte unter anderem auf Kundennutzen, Marktpotenzial, Finanzierung und Umsetzbarkeit und gaben den Teams konkrete Hinweise für die Weiterentwicklung.
„Die Präsentationen haben gezeigt, wie viel Unternehmergeist, Kreativität und analytische Arbeit in den Konzepten steckt“, sagt Michael Kohn. „Als regional verwurzelte Bank unterstützen wir gerne Formate, bei denen junge Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur lernen, sondern praktisch anwenden und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.“
Auch Christian Kling sieht in dem Format einen wichtigen Baustein der Gründungskultur an der Hochschule: „Nicht jede Idee muss unmittelbar zu einem Unternehmen führen. Entscheidend ist, dass Studierende lernen, Chancen zu erkennen, Lösungen zu entwickeln und den Mut aufzubringen, ihre Überlegungen einem kritischen Publikum vorzustellen.“ Der Gründungscampus begleitet gründungsinteressierte Studierende mit Workshops, Coaching und Netzwerkangeboten.
Mit dem Semesterprojekt setzen Hochschule Aalen und VR-Bank Ostalb eG ihre praxisorientierte Zusammenarbeit fort. Zugleich macht die Veranstaltung sichtbar, wie vielfältig unternehmerische Ideen aus dem Hochschulumfeld sein können – vom digitalen Campusservice über neue Angebote für regionale Betriebe bis zu Sport-, Gastronomie- und Betreuungskonzepten.