Im Erdgeschoss des Digital Innovation Space (DIS) hat sich ein dichter Kreis aus interessierten Besucherinnen und Besuchern gebildet. Im Zentrum: der 1,30 Meter große humanoide Roboter „Unitree G1“, der einen forschen Schritt nach vorne macht und die Hand zur Begrüßung ausstreckt. Jede neue Bewegung des Roboters, den die Studierenden augenzwinkernd „G1ovanna“ getauft haben, löst fasziniertes Staunen aus, Handys werden gezückt. Ein kleiner Junge sucht kurz Schutz hinter seiner Mutter, lugt dann aber wieder neugierig hervor und beobachtet die Szene mit großen Augen. Derweil erklärt Prof. Dr. Sebastian Feldmann von der Fakultät Maschinenbau und Werkstofftechnik, wie Studierende der Hochschule Aalen mithilfe von „G1ovanna“ moderne Robotik, KI-Methoden und praktische Mensch-Roboter-Interaktionen erproben können. Das Robotersystem, das in Lehre und Forschung zum Einsatz kommt, kann gesprochene Sprache in konkrete Handlungen übersetzen. „,Speech to action‘ nennt sich dieser Ansatz und ist das fundamentale Sprungbrett in die Zukunft der autonomen Alltagsrobotik“, erläutert Feldmann. „Man bekommt hier einen sehr greifbaren Eindruck davon, wohin sich Robotik und Künstliche Intelligenz entwickeln. Das ist ein bisschen futuristisch, aber vor allem sehr spannend“, meint ein Besucher sichtlich beeindruckt. „Genauso wie das runde Gebäude hier!“, fügt der ältere Herr hinzu, während sein Blick nach oben schweift.
Zum Staunen
Dass die Superkraft Wissen keine trockene Theorie ist, sondern anwendungsorientiert, greifbar und zum Staunen, zeigten neben „G1ovanna“ auch die über 60 weiteren heldenhaften Vorführungen, interaktiven Mitmachaktionen, Vorträge, Experimente und Workshops. Dabei bot sich den Besucherinnen und Besuchern auch die Gelegenheit, sich über die vielfältigen Studienangebote und Fachgebiete zu informieren – wie beispielsweise Fabian Schäfer. Der 24-Jährige kommt aus der Nähe von Stuttgart und interessiert sich für ein Maschinenbau- oder Mechatronik-Studium. „Ich habe eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker gemacht und anschließend eine Weiterbildung in Maschinentechnik. Jetzt möchte ich das mit einem Studium noch weiter vertiefen“, erzählt der junge Mann gut gelaunt, bevor er sich Richtung „Superheldenzentrale“ ins WIN-Gebäude auf den Weg macht. Dort möchte er bei der Zentralen Studienberatung weitere Informationen einholen.
Immersive Erlebniswelten
Diesen Schritt hat Leni Hartmann bereits gemacht. Sie hat sich im vergangenen Jahr beim Open Campus über die Hochschule informiert und studiert jetzt im zweiten Semester Wirtschaftsrecht. Heute hat die 20-Jährige aus Giengen ihre Mutter mitgebracht, um ihr den Campus zu zeigen. „Die Hochschule Aalen hat wirklich sehr schöne Räumlichkeiten, wo man gut lernen kann“, findet Elke Hartmann und freut sich darüber, dass ihrer Tochter das Studium so viel Spaß macht und sie jeden Tag fröhlich nach Hause kommt. Gemeinsam haben es sich die beiden in den Sitzsäcken im 360-Grad-Dome im Untergeschoss des DIS gemütlich gemacht. Prof. Dr. Ralph Heinsohn vom Medienzentrum der Hochschule Aalen erläutert kurz und prägnant die Technologie hinter der 360-Grad-Kuppel und den 65 Lautsprechern, die in den Wänden verbaut worden sind und dadurch ein einzigartiges Klangsystem entstehen lassen. Dann verdunkelt sich der Raum, Musik setzt ein – und der Campus ist plötzlich nicht mehr draußen vor der Tür, sondern rundherum. Die Zuschauerinnen und Zuschauer „reisen“ in eine immersive Welt, über das Gelände, hinein in Labore, Werkstätten und Hörsäle. Studienprojekte, Forschungsanlagen und Szenen aus dem Alltag an der Hochschule ziehen nahtlos an ihnen vorbei, als würden sie sich mitten im Geschehen bewegen. „Wow!“, entfährt es einer Besucherin, während sie immer wieder den Kopf in alle Richtung dreht, um nichts von den beeindruckenden Bildwelten zu verpassen.
„Man kann viel ausprobieren.“
Währenddessen steht Daniel Deurer mit seinem neunjährigen Sohn vor der Station „Aerodynamik zum Anfassen“ des Studiengangs Allgemeiner Maschinenbau und testen in einem 3D-gedruckten Windkanal, wie sich die Luftströmungen auf einen kleinen Spielzeug-Jeep auswirken. „Wir waren schon im vergangenen Jahr beim Open Campus – das war so toll, dass wir von Anfang bis Ende dagewesen sind!“, sagt Daniel Deurer und lacht. „Der Open Campus ist nicht nur für potenziell Studierende interessant, sondern auch bereits für Kinder für die spätere Orientierung“, findet der studierte Maschinenbauer und Zeiss-Mitarbeiter. „Man kann hier viel ausprobieren, und die Leute an den Ständen erklären toll.“
Zurück zu den Wurzeln
„Superschön ist der Campus geworden!“, findet Angelina Stäbler und fügt staunend hinzu: „Unglaublich, wie sich die Hochschule Aalen auch baulich weiterentwickelt hat – man kennt sich ja gar nicht mehr aus!“ Vor über 25 Jahren hat die heute 44-Jährige, die aus Calw stammt und inzwischen in Mutlangen lebt, hier Augenoptik studiert. Zum Open Campus ist sie mit ihrer Familie gekommen. „Eigentlich sind wir gar nicht wegen mir hier, sondern hauptsächlich wegen unseres 16-jährigen Sohnes, der sich für ein Informatikstudium interessiert. Aber auf jeden Fall werde ich noch bei den Augenoptikern vorbeischauen. Vielleicht treffe ich ja noch bekannte Gesichter von damals, das wäre toll!“
Besuch aus Shanghai
Ein guter Platz zum Treffen und um miteinander ins Gespräch zu kommen, waren auch die Energie-Tankstelle und die Relax-Zone, wo zahlreiche Food Trucks parat standen – denn bekanntlich kann so eine Heldenreise ziemlich hungrig und durstig machen. Dort trifft man auch Ling Yang-Rupp mit zwei Aalener Freundinnen und einem befreundeten Ehepaar, das gerade aus Shanghai zu Besuch ist. „Sie sind beide sehr technikaffin und fanden das Programm großartig“, erzählt Yang-Rupp lächelnd. „Für sie war es beeindruckend zu sehen, wie praxisnah hier geforscht und gelehrt wird.“ Und ihre Freundin Sharon möchte wissen: „Wann ist denn nächstes Jahr der Open Campus? Dann bringe ich auf jeden Fall meinen Sohn mit!“ Apropos: Das wäre dann der 12. Juni 2027.