Die Rolle von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) als Motor für Innovation und Transfer war Thema eines Panels beim IHK-Tag 2026 in Berlin. Prof. Dr. Harald Riegel, Rektor der Hochschule Aalen, setzte als gefragter Experte für „Transfer durch Forschung an HAW“ zentrale Impulse. Unter dem Titel „Kreativ im Verbund – Wie machen Netzwerke Innovationen möglich?“ diskutierte er mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die Bedeutung von Transfer für die Innovationsfähigkeit Deutschlands. „Innovationen entstehen heute selten im Alleingang. Entscheidend ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure – insbesondere die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen“, betonte Riegel.
Aktuelle politische Entwicklungen greifen diese Bedeutung auf. Im jüngst unterzeichneten Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg wird die Rolle der HAW für regionale Innovationen und Transfer ausdrücklich hervorgehoben und eine stärkere Förderung ihrer Forschung angekündigt. Riegel sieht darin ein wichtiges Signal: „Forschung an HAW kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn auch politisch klar anerkannt wird, dass wissenschaftliche Exzellenz nicht ausschließlich an Universitäten stattfindet.“ Entscheidend sei, dass diese Zielsetzung nun konsequent umgesetzt werde und HAWen nachhaltig gestärkt würden.
Praxisnähe als Schlüssel für erfolgreichen Transfer
Die Hochschule Aalen habe sich über Jahre hinweg gezielt zu einer der forschungs- und transferstärksten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland entwickelt. „Dieser Weg war nur möglich durch das außergewöhnliche Engagement unserer Forschenden sowie durch den konsequenten Aufbau leistungsfähiger Forschungsinfrastruktur“, so Riegel. Gleichzeitig liege die besondere Stärke der HAW in ihrer engen Verzahnung mit der Praxis: „Wir wissen um die Ansprüche und Herausforderungen unserer Industriepartner. So können wir durch unsere Forschung direkte Innovationsimpulse setzen.“
Welche Potenziale in dieser Zusammenarbeit liegen, zeigte Riegel am Beispiel der Künstlichen Intelligenz (KI). „KI ist eine Querschnittstechnologie und ein entscheidendes Werkzeug für Innovationen.“ Mit der KI-Werkstatt Mittelstand habe die Hochschule Aalen ein Netzwerk geschaffen, das insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Nutzung von KI unterstützt. In einem konkreten Beispiel-Projekt wurde KI eingesetzt, um industrielle Fertigungsprozesse zu verbessern. Mithilfe von Sensordaten aus laufenden Prozessen lernt ein KI-Modell, wie sich die Qualität eines Bauteils entwickelt – und kann frühzeitig vorhersagen, ob das Ergebnis den Anforderungen entspricht. Dadurch lassen sich Prozesse stabilisieren, Ausschuss reduzieren und die Produktqualität deutlich steigern. Die entwickelte KI kann zudem auf unterschiedliche Anwendungen übertragen werden und bietet damit einen direkten Mehrwert für Unternehmen der Region.
Damit wurde beim IHK-Tag deutlich: Netzwerke, anwendungsnahe Forschung und gezielte Förderung sind zentrale Voraussetzungen, um Innovationen erfolgreich in die Praxis zu überführen. Die Hochschule Aalen positioniert sich dabei weiterhin als starke Partnerin der Wirtschaft und als Impulsgeberin für nachhaltigen Forschungstransfer.