23. Juli 2026

Vom Volleyballfeld in den Hörsaal

Als Profi-Volleyballerin hat sie unzählige Stunden in der Halle verbracht, sich durch Trainingslager, Spiele und Verletzungen gekämpft. Heute steht Lara Berger wieder am Aufschlag – diesmal für ihre berufliche Zukunft im Gesundheitswesen. Seit zwei Semestern studiert die gebürtige Tübingerin Gesundheitsmanagement an der Hochschule Aalen und engagiert sich beim Hochschulsport als Trainerin des Volleyballteams.

Auf dem Foto sieht man Lara Berger, die übers ganze Gesicht strahlt, in Sportkleidung vor einem Volleyball-Netz während eines Spiels. Die junge Frau war früher Profi-Volleyballerin und studiert inzwischen Gesundheitsmanagement an der Hochschule Aalen.

Ausschlafen statt Morgentraining, ein weniger voller Terminkalender, mehr Zeit für Freunde und Familie – für Lara Berger war der Abschied vom Profisport im April vergangenen Jahres mit Wehmut, aber auch mit einer spürbaren Erleichterung verbunden. Die ehemalige Bundesligaspielerin vermisst den Volleyball-Alltag kaum, spielt privat inzwischen lieber Tennis und genießt die neu gewonnene Freiheit. „Mein neues Leben hier in Aalen ist voll ausgefüllt, ich bin gerne hier“, sagt die junge Frau fröhlich, die sich jetzt Schritt für Schritt ein neues Spielfeld im Gesundheitswesen aufbaut. 

Stolze 1,96 Meter groß

Mit einem Plan B, was nach der aktiven Karriere folgen könnte, hatte sich Lara Berger schon länger beschäftigt. Während ihrer Profizeit startete die stolze 1,96 Meter große Frau ein Fernstudium in Ernährungswissenschaften, merkte aber schnell: Lernen allein im stillen Kämmerlein, das ist nichts für sie. Als Volleyballerin, die vom Teamgeist und Miteinander lebt, empfand die Leistungssportlerin das Fernstudium als zu einsam und wenig motivierend – und brach es schließlich ab. „Jetzt mit 24 Jahren nochmal so richtig ins Studentenleben zu starten, ist toll!“, strahlt Berger.

Große Dynamik und Teamgeist

Wie ein roter Faden hatte sich der Volleyball fast durch ihr ganzes bisheriges Leben gezogen. Schon ihre Eltern und deren Freundeskreis spielten in der Freizeit leidenschaftlich Volleyball, auch im Urlaub. So gehörte der Sport für Lara Berger von klein auf einfach dazu. „Volleyball hat mir riesigen Spaß gemacht, vor allem die große Dynamik und der Teamgeist: In Sekundenbruchteilen müssen alle auf dem Feld reagieren.“ Der Schritt in die Volleyball-AG ihrer Schule und in die TSG Tübingen war da nur die logische Folge und der Beginn ihrer eigenen Laufbahn am Netz. Schnell erkannte man ihr großes Talent, sodass sie bald darauf in der Regionalliga spielte, für die Allianz MTV Stuttgart im Einsatz war und 2015 – mit 14 Jahren – in die Juniorinnen-Nationalmannschaft berufen wurde. 2017 wechselte sie zum VC Olympia Berlin, spielte dort in der ersten Liga und lebte während dieser Zeit in einem Berliner Sportinternat. 

Drei Titel in einer Saison

„Am Anfang konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Tübingen – Berlin ist ja schon eine große Entfernung. Mit 15 Jahren so weit weg von der Familie zu sein, war nicht einfach“, erinnert sich Lara Berger und fügt lachend hinzu: „Aber die Tage im Internat waren so eng getaktet mit Training und Schule, dass man kaum Zeit hatte, Heimweh zu entwickeln.“ 2019 wechselte sie zurück nach Stuttgart, wo sie ihr Abitur machte und mit der Allianz MTV Stuttgart 2021/22 ihre erfolgreichste Saison spielte und Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin und Vize Champion im CEV Cup wurde. „Das war echt ein Mega-Erlebnis! Wir waren als Team einfach im Flow – drei Titel in einer Saison zu holen, das war ein absolutes Highlight“, erzählt die 24-Jährige begeistert. 

Nächste Station: Aalen

Danach ging’s für die Volleyballerin an die Elbe, wo sie beim Dresdner SC als Dialogangreiferin auf Anhieb im Stamm spielte. „Das war auch eine richtig coole Zeit, leider ein bisschen getrübt durch eine Schulteroperation und eine längere Regenerationsphase“, sagt Berger. „Beim Profi-Sport steht die Leistung über allem, auf die Gesundheit wird leider nicht so geachtet. Schließlich will keine Sportlerin und kein Sportler das Spiel seines Lebens verpassen, nur weil etwas zwickt. Man treibt schon Raubbau mit dem eigenen Körper.“ Die verletzte Schulter war für die junge Frau auch einer der Gründe, sich intensiver mit einem zweiten Standbein auseinanderzusetzen und beruflich in Richtung Gesundheit zu denken. Nach einer weiteren Station beim italienischen Verein Mondovi Volley beendete sie im April 2025 schließlich ihre Profi-Karriere und entschied sich, zum Wintersemester 2025/26 an der Hochschule Aalen Gesundheitsmanagement zu studieren. „Eine Freundin studiert hier und hat mich sozusagen nach Aalen gelockt“, sagt Berger mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich bin hier so freundlich empfangen worden, habe schnell Anschluss gefunden, und das Studium ist super interessant“, freut sie sich. 

Verzahnung von Theorie und Praxis

Seit Januar ist Berger Werkstudentin bei der Tübinger Firma Teamplan, ein unabhängiges Beratungs- und Planungsunternehmen, das sich auf den Gesundheits- und Forschungssektor spezialisiert hat. „Der Job gefällt mir sehr, weil man Einblick in so viele unterschiedliche Projekte bekommt“, sagt sie. Besonders spannend findet sie, wie sich die Inhalte aus ihrem Gesundheitsmanagement-Studium direkt mit der Praxis verzahnen. Dabei waren und sind ihr die vielfältigen Erfahrungen aus dem Leistungssport eine große Hilfe. „Man lernt sich schnell in Teams zurechtzufinden – und Disziplin sowie Zielstrebigkeit sind natürlich bei Studienprojekten oder Lernen auf Klausuren auch nicht ganz unwichtig“, sagt Berger und fügt lachend hinzu: „Für mich stellt sich die Frage gar nicht, ob ich zur Vorlesung gehe oder nicht.“

Foto: Lara Berger hat ihre Profi-Karriere im Volleyball gegen ein Gesundheitsmanagement-Studium an der Hochschule Aalen eingetauscht.

Fotohinweis: © Mondovi Volley | Massimo Bandera

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