Prof. Dr. Gerhard Schneider prägt seit vielen Jahren die Materialforschung sowie die Hochschullandschaft in Aalen und der Region. Sein wissenschaftlicher Weg verbindet die Forschung an Funktionswerkstoffen wie beispielsweise Magneten und Batterien mit der Materialmikroskopie. Am IMFAA gehört dieser Blick in den Mikrokosmos der Materialien zum wissenschaftlichen Alltag: Wie ein Werkstoff aufgebaut ist, entscheidet maßgeblich darüber, wie belastbar er im späteren Einsatz ist und wie er verarbeitet werden kann. Am Institut fließen diese Analysen direkt in die Zusammenarbeit mit der Industrie ein, um reale Bauteile und Fertigungsprozesse gezielt zu optimieren. Schneider erkannte dabei schon früh das Potenzial moderner Rechenleistung: Heute treibt der leidenschaftliche Forscher die Digitalisierung der Materialanalyse voran, bei der Künstliche Intelligenz riesige Datenmengen auswertet und so völlig neue Erkenntnisse ermöglicht.
Zukunftsforschung von Magnetwerkstoffen bis Technologietransfer
Neben der Materialographie bildet die Forschung an magnetischen Werkstoffen einen weiteren Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Seine Arbeiten zu Permanentmagneten stehen in direktem Bezug zu drängenden Zukunftsfragen der Energie- und Mobilitätswende, etwa für den Einsatz in effizienten Elektromotoren. Im Fokus stehen dabei aktuelle Herausforderungen wie die Verringerung von Energieverlusten, das Recycling von Rohstoffen, die Einsparung teurer Seltenerdmetalle sowie die Reduzierung internationaler Lieferabhängigkeiten.
Zugleich steht Schneiders Wirken für den Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Industrie und Anwendung. Als langjähriger Rektor gestaltete er die Entwicklung der Hochschule Aalen maßgeblich mit und verankerte die Einrichtung als Innovationsmotor in der Region. Diesen anwendungsorientierten Geist bringt er bis heute in die Leitung des IMFAA ein. Welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Technologietransfer nötig sind, bringt Schneider pragmatisch auf den Punkt: „Ideen, Mut und einen langen Atem.“
Vom Nachwuchswissenschaftler zum Ehrenmitglied
Die DGM begleitet Prof. Dr. Gerhard Schneider bereits seit seinem Studium der Metallkunde in Stuttgart. An seinen ersten eigenen Vortrag bei einer DGM-Veranstaltung erinnert er sich bis heute schmunzelnd: „Wir haben damals auf dem Campingplatz im Zelt übernachtet, und meine Krawatte habe ich im Gemeinschaftsbad gebunden.“ Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein jahrzehntelanges Engagement in Gremien und Fachgruppen, das sich unter anderem in seinen Funktionen als Leiter des Gemeinschaftsausschusses Hochleistungskeramik, Fachausschussleiter Materialographie und Sprecher des Expertenkreises Permanentmagnete zeigte und schließlich bis zur Präsidentschaft der Fachgesellschaft reichte.
Mit der Ehrenmitgliedschaft schließt sich nun ein Kreis. „Die DGM hat mich durch mein Berufsleben begleitet. Ich bin sehr dankbar für das, was sie mir gegeben hat – allen voran wertvolle Netzwerke und lange Freundschaften“, erklärte Schneider anlässlich der feierlichen Verleihung in Darmstadt. Zugleich richtete er seinen Dank an das Aalener IMFAA-Team, dessen motivierende Zusammenarbeit ihm täglich großen Spaß mache. Mit der Ehrung würdigt die Gesellschaft nicht nur Schneiders wissenschaftliches Lebenswerk, sondern auch seinen anhaltenden Einsatz für die Vernetzung von Forschung, Lehre, Nachwuchs und Praxis.
Foto: Auszeichnung für ein Lebenswerk: Prof. Dr. Gerhard Schneider (links) nimmt beim DGM-Tag 2026 in Darmstadt die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde aus den Händen von DGM-Präsident Dr. Till Schneiders entgegen.
Fotohinweis: © Deutsche Gesellschaft für Materialkunde | Sina Stephan