29. September 2026

KI zwischen Liebe, Empathie und Tod

Was passiert, wenn Menschen sich in emotionalen oder intimen Fragen eher an eine Künstliche Intelligenz (KI) wenden, als mit ihren Freunden zu sprechen? Kann eine KI den Abschied erleichtern, wenn sie einen Verstorbenen als digitalen Avatar zum Leben erweckt? Und warum kommt es uns manchmal so vor, dass Maschinen doch Empathie besitzen? Diesen und vielen anderen Fragen geht die neue Semesterreihe „Liebe, Tod und KI“ im Studium Generale der Hochschule Aalen in Zusammenarbeit mit der vhs Aalen nach. Die Vorträge sind frei zugänglich und finden im Wintersemester 2026/2027 zwischen Oktober und Januar an der Hochschule Aalen statt. 

KI spielt für viele Menschen auf in Fragen der Liebe, Tod und Empathie eine immer wichtigere Rolle.

1982 verliebt Harrison Ford sich in „Blade Runner“ in eine künstliche Frau. 2013 verfällt Joaquin Phoenix in „Her“ der weiblichen KI-Assistentin seines Smartphones. 2022 bestellt sich Jonathan Rhys Meyers in „Wifelike“ einen humanoiden Roboter, der mittels KI nicht nur aussieht wie seine verstorbene Frau, sondern auch ihre Wesenszüge annimmt. Was in Hollywood-Filmen bereits seit den 1980ern Gang und Gäbe ist, sind mittlerweile aktuelle Forschungsfragen, denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler widmen. Fünf dieser Forschenden kommen im Wintersemester 2026/2027 an der Hochschule Aalen zu einer Vortragsreihe des Studium Generale zusammen, organisiert in Zusammenarbeit mit der vhs Aalen.

Am Dienstag, 06. Oktober 2026, gibt Dr. Johanna L. Degen – auch bekannt als Dr. Tinder – Einblicke in „Psychologische Perspektiven zur Bedeutung von KI für Beziehung, Intimität und Sexualität“. Degen spricht in ihrem Vortrag darüber, wie Künstliche Intelligenz zunehmend beeinflusst, wie Menschen Informationen aufnehmen, Entscheidungen treffen und Beziehungen gestalten – sowohl durch ihre hohe wahrgenommene Glaubwürdigkeit als auch durch ihre Fähigkeit, soziale Bindungen zu ergänzen oder zu ersetzen. Anhand aktueller Forschung zeigt Dr. Johanna L. Degen, die unter anderem mit einem Kollegen das „You gotta LOVE AI Lab“ an der TU München leitet, die psychologischen und psychotherapeutischen Auswirkungen dieser Entwicklungen auf individuelles Verhalten und gesellschaftliches Zusammenleben.

Am Dienstag, 13. Oktober 2026, beschäftigen sich Nico Ehrhardt, Johannes Freyer und Frank Müller mit „KI und großen Gefühlen“. Die Forschenden aus der Institutsgesellschaft für Demokratie und KI (IDemKI) aus Tübingen beleuchten in ihrem Vortrag, wie KI emotionale Kommunikation beeinflusst, warum Menschen Maschinen Empathie zuschreiben und welche Chancen und Risiken sich daraus für Alltag, Bildung und Gesellschaft ergeben. Im IDemKI wird Forschung, Politik und Öffentlichkeit miteinander verknüpft, um die Auswirkungen von KI auf die Demokratie zu untersuchen und mitzugestalten.

Am Donnerstag, 14. Januar 2027, wirft Prof. Dr. Clarissa Henning einen ethischen Blick auf die Frage „Was macht KI mit Tod?“. Henning, Professorin für Medien- und Wirtschaftspsychologie an der Hochschule der Medien Stuttgart, beleuchtet in ihrem Vortrag die ethischen Fragen, die der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit Tod und Trauer aufwirft – vom digitalen Erbe bis hin zu KI-Avataren Verstorbener. Dabei zeigt sie auf, welche Chancen und Risiken diese Technologien für Menschenwürde, Selbstbestimmung und den Umgang mit Abschied und Erinnerung mit sich bringen.

Alle Vorträge finden um 18:30 Uhr in der Aula der Hochschule Aalen in der Beethovenstraße 1 statt. Die Vortragsreihe ist kostenlos und ohne vorherige Anmeldung für alle Interessierten zugänglich.