Zukunftstrends gestalten – von der Idee bis zur Umsetzung

Dank moderner Methoden und Technologien für die Zukunft gerüstet: Prof. Dr. Anna Nagl und Dr. Karlheinz Bozem geben in ihrem Buch praxisnahe Beispiele und strukturierte Handlungsempfehlungen für digitale Geschäftsmodelle. Fotohinweis: Hochschule Aalen/Hertfelder

Etablierten Konzernen, mittelständischen Unternehmen und Start-ups einen praxisorientierten und branchenübergreifenden Handlungsleitfaden zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle an die Hand geben – das ist das Ziel von Prof. Dr. Anna Nagl, Leiterin des Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle an der Hochschule Aalen, sowie dem Energie- und Managementexperten Dr. Karlheinz Bozem. In ihrem neuen Buch „Digitale Geschäftsmodelle erfolgreich realisieren“ erklären sie anhand von aktuellen Fallstudien, was dafür nötig ist und geben den Leserinnen und Lesern Tools und Checklisten zur Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen an die Hand.

Ob Digitalisierung, künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder Industrie 4.0 – Themen wie diese treiben den technischen Fortschritt branchenübergreifend voran. Egal ob Start-up, Mittelständler oder globaler Konzern – alle müssen ihre Geschäftsmodelle auf Anpassung der neuen Technologien überprüfen. „Grundlage für Geschäftsmodelle ist stets eine zündende Geschäftsidee, die unter Trends und neuen Technologien entwickelt und beschrieben wird. Hinter jedem innovativen Geschäftsmodell muss aber ein wirtschaftlich tragfähiger Business Case für den langfristigen Erfolg stehen – das ist der Schlüssel zum Erfolg. In unserem Buch sind die Erkenntnisse aus mehrjähriger Forschungs- und Industrieprojektarbeit eingeflossen“, sagen die Autoren Prof. Dr. Anna Nagl, Leiterin Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle, und Dr. Karlheinz Bozem, Geschäftsführer von bozem consulting associates munich.

Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis werden Geschäftsmodelle aus unterschiedlichen Branchen und ihre Stärken und Herausforderungen beleuchtet. „Bei der Auswahl der Praxisbeispiele haben wir großen Wert auf eine geringe Komplexität der jeweiligen Fallbeispiele gelegt, damit auch branchenfremde Leserinnen und Leser die einzelnen Schritte der Geschäftsmodell-Entwicklung und das jeweilige Geschäftsmodell gut nachvollziehen können“, sagt Bozem.

Anhand von regionalen Vorzeigemodellen wie der Carl Zeiss AG wird gezeigt, wie auch Traditionsunternehmen sich weiterentwickeln können und müssen. Dazu kombiniert der Weltmarktführer bei ZEISS Digital Partners die Stärken eines etablierten Konzerns und daraus bewährten Methoden mit der Geschwindigkeit eines Start-ups. Außerdem wird beispielsweise auch die Entwicklung des Geschäftsmodells „Smarter Ökostromlieferant und Dienstleister“ vorgestellt. Dieses Geschäftsmodell wurde mithilfe des Business Model Builders im Rahmen des vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) geförderten „Innovatives Kooperationsprojekt“ der Hochschulen Aalen und Rottenburg in enger Kooperation mit bozem consulting associates munich entwickelt.

Leserinnen und Leser erhalten mit dem Buch einen strukturierten und systematischen Handlungsleitfaden mit praxisnahen Beispielen digitaler Geschäftsmodelle, die dank modernerer Methoden und Technologien für die Zukunft gerüstet sind.

Geschäftsmodelle mit Zukunft

Innovatives Kooperationsprojekt entwickelt ökologisch und ökonomisch belastbare Geschäftsmodelle für Bürgerenergie-Genossenschaften

Eine im Rahmen des Forschungsprojektes empirische Befragung aller Bürgerenergie-Genossenschaften in Baden-Württemberg (Vollerhebung) zeigt, dass sich die Bürgerenergie-Genossenschaften zwingend intensiv um ihre Geschäftsmodelle kümmern müssen. Die einfache Einspeisung von EE-Strom gegen Einspeisevergütung für sich allein ist definitiv kein (!) Geschäftsmodell mit Zukunft! Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter zeigte sich in seinem Schlussstatement seines Besuches beim Forschungsprojektteam an der Hochschule Aalen am 16. September 2021 sehr beeindruckt, mit welchen Ideen und Ansätzen die Weiterentwicklung der genossenschaftlichen Geschäftsmodelle vorangebracht werden kann. Nach seinen Worten ist es zwingend notwendig, zum Gelingen der Energiewende die Menschen vor Ort einzubinden und dies kann kaum besser als in Form der Einbindung von Energiegenossenschaften erfolgen. Er zeigte sich überzeugt davon, dass der im Rahmen des Forschungsprojektes aufgezeigte Weg sinnvoll und zielführend ist. Er sagte zu, die Arbeit des Projektteams auch künftig nach Kräften zu unterstützen.

Projektmeeting bei der ÜZW

Meeting zur Plattformentwicklung mit Schwerpunkt Rechnungsstellung im „Innovativen hochschulübergreifenden Kooperationsprojekt BürgerEnergieWende“ bei der ÜZW am 24.08.2021 von 11-13 Uhr

Innovative Geschäftsmodelle für Bürgerenergie-Genossenschaften

Abbildung: Schaubild Business Model Building Geschäftsmodell

01. Dezember 2020 Mit dem Wegfall der EEG-Förderung für PV-Anlagen erodieren die Geschäftsmodelle vieler Bürgerenergie-Genossenschaften. Im Rahmen des vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten hochschulübergreifenden "Innovativen Kooperationsprojektes BürgerEnergieWende" arbeiten die Hochschulen Aalen und Rottenburg sowie die Bürgerenergie-Genossenschaften OstalbBürgerEnergie eG (OBE) und erneuerbare Energien Rottenburg eG (eER) unterstützt vom Energieexperten Dr. Karlheinz Bozem an zukunftsfähigen Lösungen. Dabei stehen die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit und die IT-technische Machbarkeit im Vordergrund. Ziel ist es, den Strom von "Erneuerbare Energien-Anlagen" die nach 20 Jahre Laufzeit nicht mehr nach den Regelungen des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) gefördert werden, wirtschaftlich zu vermarkten.

Dazu wird derzeit an der Hochschule Aalen unter Federführung des Informatikers Prof. Dr. Carsten Lecon eine leistungsfähige IT-Basis-Plattform entwickelt, über die der Überschussstrom der PV-Anlagen erfasst und direkt oder über einen Direktvermarkter vorrangig an Kunden in der Region vermarktet werden soll. Das dazu notwendige Basis-Geschäftsmodell wurde von Dr. Karlheinz Bozem gemeinsam mit Prof. Dr. Anna Nagl und dem Doktoranden Max-Robert Salzer vom Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle der Hochschule Aalen sowie Hans-Peter Weber, dem Vorstand der OstalbBürgerEnergie eG, unter Anwendung des Business Model Builders entwickelt. 

Vgl. Sie hierzu auch das Paper "The end of 20 years of subsidization of PV systems in Germany as a driver for the development of digital business models" als Teil der Proceedings des 10th Solar & Storage Workshop unter der ISBN: 978-3-9820080-7-3.

Innovatives Kooperationsprojekt „BürgerEnergieWende“ geht an den Start

von links nach rechts: (oberer Ausschnitt): Hans-Peter Weber, Max-Robert Salzer, Christina Neufeld, Prof. Dr. Carsten Lecon, Prof. Dr. Anna Nagl, Dr. Karlheinz Bozem, (unten v. l.) Andreas Ensinger, Klaus-Jürgen Lehmann, Prof. Dr. Bastian Kaiser, Anja Hoh Bildrechte: www.ingridhertfelder.com

13. Juli 2020 Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg fördert ein Innovatives Kooperationsprojekt der Hochschule Aalen und der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg sowie der Bürgerenergie-Genossenschaften OstalbBürgerEnergie eG (OBE) und der erneuerbaren Energien Rottenburg eG (eER). Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Entwicklung von innovativen und nachhaltigen Geschäftsmodellen für Bürgerenergie-Genossenschaften. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert aus Photovoltaik-, Windenergie- und Bioenergieanlagen eingespeisten Strom für die Dauer von 20 Jahren. Damit endet zum Jahresende der Förderzeitraum für alle bis zum 31.12.2000 installierten und in Betrieb genommenen Anlagen. Für diese meist noch voll funktionsfähigen Anlagen gilt es Lösungen zu finden, wie diese Anlagen weiter betrieben und Strom ins Netz einspeisen können. Das ist zwingende Notwendigkeit, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Davon betroffen sind die meisten Bürgerenergie-Genossenschaften und Betreiber von privaten Erneuerbare Energie-Anlagen (EE-Anlagen).

Federführend im Projektteam sind Prof. Dr. Anna Nagl von der Hochschule Aalen und Prof. Dr. Bastian Kaiser von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg mit ihren akademischen Mitarbeitern Max-Robert Salzer und Anja Hoh. Die energiewirtschaftliche und IT-technische Expertise liefern der Energieexperte Dr. Karlheinz Bozem aus München und der Aalener Informatikprofessor Prof. Dr. Carsten Lecon. Für die Energiegenossenschaften arbeiten Hans-Peter Weber, Vorstandsmitglied der OstalbBürgerEnergie eG, sowie Klaus-Jürgen Lehmann, Vorstandsmitglied der eER, im Forschungsprojekt mit. Betreut von Prof. Dr. Stefan Pelz von der HfR und Dr. Karlheinz Bozem erarbeitet darüber hinaus Andreas Ensinger von der Überlandzentrale Wörth/I.-Altheim Netz AG (ÜZW) die energiewirtschaftlichen und -technischen Grundlagen in seiner Masterthesis im Studiengang Sustainable ENergy CompetenCE (SENCE).

Das Team um Prof. Dr. Anna Nagl eruiert nun Lösungen, den von den Alt-PV-Anlagen produzierten Strom zu bündeln und wirtschaftlich zu verwerten. Dabei sind Insellösungen, welche primär die Selbstnutzung des Stroms aus Erneuerbaren Energien (EE) im Blick haben sowie intelligente Vermarktungskonzepte zu analysieren. Insellösungen richten sich primär an private EE-Anlagenbetreiber. Dabei wird der Strom auf dem Anlagengrundstück soweit als möglich direkt verbraucht. Nicht direkt verbrauchter Strom wird in einer Batterie zwischengespeichert und dann verbraucht, wenn die PV-Anlage keinen Strom liefert. Dieses Konzept kann um Elektroautos und Warmwasserspeicher erweitert werden. Derzeit funktionieren Batteriespeicher und hoffentlich in absehbarer Zeit auch die Autobatterie als bidirektionale Speicher. Diese ermöglichen sowohl die Einspeisung als auch die Entnahme von Strom aus den Speichern. Der danach noch überschüssige Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Dabei ist zu beachten, dass über die Hälfte der PV-Anlagen eine Leistung von weniger als 10 kWp (Kilowatt Peak) aufweisen.

Bei größeren Anlagen ist der Selbstverbrauch im besten Fall eine Zusatzoption. Hier sind andere Geschäftsmodelle zu entwickeln. So beschäftigt sich das Projektteam auch mit der Bündelung des Stroms über eine elektronische Energieplattform, über die der Strom an interessierte Kunden vermarktet werden kann. Besondere Herausforderungen liegen darin, vorherzubestimmen, wieviel Strom unter Berücksichtigung der Wettervorhersagen und der Verbrauchsdaten der Kunden in zukünftigen Perioden produziert bzw. verbraucht werden wird. Dazu bedarf es des Einsatzes von Prognosekomponenten und künstlicher Intelligenz. Die Funktion der Bürgerenergie-Genossenschaften ist hierbei die Vermarktung des Stroms sowohl der eigenen Anlagen als auch aus EE-Anlagen der Mitglieder. An dieser Stelle ist dann auch die Nahtstelle zu den Stadtwerken und Netzbetreibern. Hier passgenaue Lösungen und Geschäftsmodelle zu erforschen, ist die Zielsetzung des „Innovativen hochschulübergreifenden Kooperationsprojektes BürgerEnergieWende“.

Weiterführende Links:

ww.hs-aalen.de/buergerenergiewende

https://www.facebook.com/erneuerbareEnergienRottenburg

https://www.instagram.com/p/CDDs0HxKHSd/

Aalen und Rottenburg erhalten den Zuschlag

Land fördert hochschulübergreifendes Forschungsprojekt der Hochschule Aalen mit der OstalbBürgerEnergie eG

20. April 2020 Im Rahmen der hart umkämpften Ausschreibung „Innovative Projekte“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK), bei denen hochschulübergreifende Forschungsprojekte mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft vorrangig gefördert werden, haben die Hochschulen Aalen und Rottenburg gemeinsam mit ihren Bürger-Energiegenossenschaften Mitte April 2020 den Zuschlag erhalten. Die in diesem Innovativen Kooperationsprojekt entwickelten Maßnahmen werden einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Baden-Württemberg leisten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Energiewende von breiten Bevölkerungsschichten mitgetragen wird.

Die OstalbBürgerEnergie eG (OBE), vertreten durch deren Vorstandsmitglied Hans-Peter Weber, wird gemeinsam mit Prof. Dr. Anna Nagl und ihrem Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle der Hochschule Aalen, dieses Innovative Projekt leiten. Landtagsabgeordneter Winfried Mack und der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter zeigten sich höchst erfreut über die Entscheidung der bundesweit zusammengesetzten Experten-Jury, die dem Ministerium die Förderung des hochschulübergreifenden Antrages empfohlen hat. Es sei volkswirtschaftlich überaus wichtig und zeitkritisch ergänzt Prof. Dr. Nagl, wirtschaftlich belastbare und ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle für die Nutzungsmöglichkeiten für PV-Anlagen nach Ablauf der garantierten Einspeisevergütung zu erforschen und in der Praxis zu testen. Ende diesen Jahres endet für die ersten Photovoltaikanlagen die Zeit der garantierten Einspeisevergütung. Ab diesem Zeitpunkt gilt es, den mit diesen PV-Anlagen umweltfreundlich erzeugten Strom durch die Anlagenbetreiber selbst zu vermarkten. 

Für die OstalbBürgerEnergie-Genossenschaft ist diese Zusage nach den Worten von deren Vorstandsmitglied Hans-Peter Weber eine besondere Herausforderung. Es gehe darum, für die OBE gemeinsam mit der eER Erneuerbaren Energien Rottenburg, Modelle zu entwickeln, die eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der zahlreichen Energiegenossenschaften im Land ermöglichen. Dazu werde man, so Weber, in Arbeitskreisen und Expertengremien nach sinnvollen Lösungen suchen. Hierbei wolle man auch engen Kontakt zum Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband halten. Selbstverständlich werde dabei auch die Speicherung von Strom in dezentralen Hausspeichern und die Nutzung der Batterien von Elektroautos eine wichtige Rolle spielen. Weber appellierte an die Politik, die eingeleitet und unter Klimagesichtspunkten dringend notwendige Energiewende nicht zu unterlaufen. So bedarf es dringend des weiteren Ausbaus der Nutzung von Sonnen- und Windenergie. In Anbetracht der Tatsache, dass Strom aus erneuerbaren Energien dezentral, also verbrauchernah erzeugt wird, müsse man auch dringend über das Thema „Netzentgelte“ sprechen. Hier bedarf es einer Entfernungskomponente, die berücksichtigt, wenn dezentral erzeugter Strom zwar ins Netz eingespeist wird, der Verbraucher aber nur kurze Entfernung vom Erzeuger entfernt ist.

Natürlich begrüßt auch Oberbürgermeister Thilo Rentschler als Aufsichtsratsvorsitzender der OBE den Bewilligungsbescheid aus Stuttgart. Dies biete eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle der OstalbBürgerEnergie sowie weiterer Energiegenossenschaften.