Mit weiblicher Expertise in die ZukunftInnerhalb eines Jahres wurden fünf Professorinnen an die Hochschule Aalen berufen

Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Mitte) hieß kürzlich die neu berufenen Lehrenden der Hochschule Aalen willkommen. Mit ihr und Hochschulrektor Prof. Dr. Harald Riegel freuten sich Prof. Dr. Christoph Böhmert, Prof. Dr. Angela Kuonath, Prof. Dr. Lilian Aly, Prof. Dr. Cécile Rosenow, Prof. Dr. Christina Schwarz und Prof. Dr. Anne Stumper (von links). Foto: © Hochschule Aalen

Do, 05. März 2026

Die Hochschule Aalen stärkt die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft: Innerhalb eines Jahres wurden fünf neue Professorinnen berufen. Zudem wurden auch zwei sogenannte „Shared Professorships“ weiblich besetzt. Damit liegt der Frauenanteil bei den Professuren aktuell bei rund 20 Prozent. Gerade im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich (MINT) ist dies ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit und Diversität. „Mit den neuen Berufungen setzen wir ein klares Zeichen: Exzellente Wissenschaft braucht die Perspektiven von Frauen und Männern gleichermaßen“, betont Prof. Dr. Harald Riegel, Rektor der Hochschule Aalen. Besonders im MINT-Bereich seien weibliche Vorbilder entscheidend, „damit sich mehr junge Frauen für ein Studium und eine wissenschaftliche Laufbahn begeistern.“

 „Vielfalt in der Professorenschaft ist kein Selbstzweck“

In Deutschland, insbesondere in den MINT-Fächern, gibt es noch immer zu wenige Professorinnen. Das hat Folgen: Studentinnen fehlt es an Vorbildern, an denen sie sehen, dass eine Karriere in Forschung und Lehre für Frauen selbstverständlich möglich ist. „Vielfalt in der Professorenschaft ist kein Selbstzweck. Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Lebenswege verbessern Forschung und Lehre – davon profitieren unsere Studierenden unmittelbar“, sagt Hochschulrektor Prof. Dr. Harald Riegel. Gerade in Technik, Informatik, Ingenieur- und Gesundheitswissenschaften sind diverse Teams ein wichtiger Innovations- und Wettbewerbsvorteil. Wenn Frauen nicht gleichermaßen Zugang zu akademischen Karrieren und Führungspositionen haben, bleibt ein großes Talent- und Innovationspotenzial für Wirtschaft und Gesellschaft ungenutzt.

Anteil liegt inzwischen bei rund 20 Prozent

Innerhalb eines Jahres hat die Hochschule Aalen nun mit den Professorinnen Dr. Christina Schwarz, Dr. Anne Stumper, Dr. Cécile Rosenow, Dr. Angela Kuonath und Dr. Lilian Aly fünf neue Professorinnen berufen, die in den Fakultäten Optik und Mechatronik sowie Wirtschaft und Gesundheit lehren und forschen. Außerdem wurden zwei „Shared Professorships“ weiblich besetzt. Prof. Dr. Lorena Körner und Prof. Dr. Sarah Gentner-Röhrer sind jeweils zu 49 Prozent an der Fakultät Wirtschaft und Gesundheit beschäftigt und üben zu 51 Prozent eine Tätigkeit außerhalb der Hochschule aus. Somit konnte allein in den vergangenen vier Jahren der Frauenanteil bei den Professuren von vier Prozent auf rund 20 Prozent gesteigert werden.

Vorbilder sind entscheidend

„Unsere neuen Professorinnen sind Expertinnen in ihren Fachgebieten – und zugleich starke Vorbilder für junge Frauen, die sich für Technik, Wirtschaft oder Gesundheit interessieren“, sagt Prof. Dr. Iman Taha, Prorektorin für Lehre, die selbst promovierte Ingenieurin ist. „Sie zeigen, dass wissenschaftliche Exzellenz und Karrierewege an unserer Hochschule für Frauen genauso erreichbar sind wie für Männer.“ Eine von ihnen ist Prof. Dr. Lillian Aly. Die habilitierte Fachärztin für Neurologie mit langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Erfahrung lehrt seit vergangenem Oktober im Studiengang „Physician Assistant“. „Studierende sollen die Freiheit haben, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Träume und Ziele selbstbewusst zu verfolgen“, sagt die Neurologin. „Gerade für Studentinnen sind Vorbilder und geeignete Rahmenbedingungen entscheidend, damit sie sich eine Karriere in der Wissenschaft oder in Führungspositionen vorstellen können – und sich diesen Weg auch zutrauen.“ Es brauche daher weiterhin Anstrengungen, solche Strukturen zu stärken, da sie noch immer nicht überall selbstverständlich seien.

Studentinnen ermutigen

Das sieht Prof. Dr. Christina Schwarz, die seit dem Sommersemester 2025 im Bereich Optometrie an der Hochschule Aalen lehrt und forscht, ähnlich: „Gerade in den MINT-Fächern halten sich immer noch viele Klischees. Ich möchte jungen Frauen zeigen: Technik und Naturwissenschaften sind keine Frage des Geschlechts, sondern der Neugier und der Freude am Problemlösen.“ Man müsse die Vorbildfunktion nutzen, damit sich dadurch noch mehr Studentinnen ermutigt fühlen, eine Promotion und eine Professur ins Auge zu fassen, so die promovierte Physikerin. „Und selbstverständlich brauchen wir auch mehr hoch qualifizierte weibliche Führungskräfte in der Industrie. Unsere Absolventinnen und Absolventen prägen die Unternehmen der Region. Wenn sie an der Hochschule erleben, dass Frauen Führungsverantwortung in Technik, Wirtschaft und Gesundheit übernehmen, verändert das langfristig auch die Unternehmenskultur“, betont Prof. Dr. Angela Kuonath, die seit Oktober 2025 Professorin für Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Organisationsentwicklung ist.

Traumberuf Professorin

Seit vielen Jahren engagiert sich die Hochschule Aalen für mehr Chancengleichheit. Dazu gehören unter anderem das Mentoring-Programm „KarMen“ zur Karriereplanung für Studentinnen, eine gezielte Ansprache qualifizierter Wissenschaftlerinnen bei Berufungsverfahren, familienfreundliche Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeitmodelle sowie die Förderung von MINT-Nachwuchs bereits in Schulen. Erst kürzlich ging das baden-württembergische Verbundprojekt „Traumberuf Professorin Plus“ in die dritte Runde, in dem die Hochschule Aalen auch im Lenkungsausschuss ist. Es unterstützt Frauen auf dem Weg zur Professur. „Unser Ziel ist es, den Anteil von Professorinnen weiter zu steigern“, betont Prof. Dr. Jana Wolf, Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Aalen und Professorin im Bereich Gesundheitsmanagement. „Ein Anteil von rund 20 Prozent ist ein wichtiger Zwischenschritt – da gibt es natürlich noch Luft nach oben“, sagt Wolf und fügt gut gelaunt hinzu: „Aber wir sind auf einem guten Weg – und das ist zum Weltfrauentag doch eine schöne Nachricht!“