Wie Führung und Mitarbeitende Kontinuität sichernAalener Doktorandin präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse zur Nachfolge in Familienunternehmen

Doktorandin Rosalie Saemann stellte die Ergebnisse ihrer aktuellen Veröffentlichung den Wirtschaftsjunioren Ostwürttemberg vor. Foto: ©Hochschule Aalen| Christoph Stas

Di, 24. Februar 2026

Im neuen WIN-Gebäude der Hochschule Aalen kamen vor wenigen Tagen die Wirtschaftsjunioren Ostwürttemberg zu einer Vortragsveranstaltung zusammen. In modernem Ambiente bot das Gebäude den passenden Rahmen für einen intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und regionaler Wirtschaft. Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch nicht die Architektur, sondern die Frage, wie Führung und Mitarbeitende Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen nachhaltig prägen.

Rosalie Saemann präsentierte ihre aktuelle Forschungsarbeit mit dem Titel „Der Einfluss von Führungs- und Mitarbeiter-Stewardship auf Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen“, die gleichzeitig ihre vierte wissenschaftliche Veröffentlichung im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Vrije Universität Amsterdam ist. Der Fokus ihrer Untersuchung liegt auf der Frage, wie das Verantwortungsverständnis von Führungskräften und Mitarbeitenden („Stewardship“) die Wahrnehmung und den Erfolg von Unternehmensnachfolgen beeinflusst – sowohl während als auch nach einem Generationswechsel. Die Studie stützt sich auf qualitativen Fallstudien in vier deutschen Familienunternehmen.

„Eine Nachfolge überträgt zwar formell die Führung, doch ob diese tatsächlich durch Kontinuität wirklich gelingt, entscheidet sich im gelebten Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten“, erklärte Saemann während ihres Vortrags. Ihre Ergebnisse zeigen, dass eine formal reibungslose Übergabe nicht automatisch zu einer positiven Wahrnehmung der Führung durch die Mitarbeitenden führt. Entscheidend seien vielmehr offene Kommunikation, Einbindung und Beziehungsqualität. Mitarbeitende könnten als „verdeckte Stewards“ wirken, indem sie Spannungen abfedern und Stabilität sichern - selbst wenn Führung nicht immer inklusiv agiert. „Nachfolge ist kein rein familiäres Ereignis, sondern ein unternehmensweiter Übergang. Wer Mitarbeitende aktiv einbindet, stärkt Vertrauen und organisationale Stabilität langfristig“, so Saemann weiter.

Die Veranstaltung stieß bei den Wirtschaftsjunioren auf großes Interesse. Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Ostwürttemberg Hannes Schneider betonte die Relevanz des Themas für die Region: „Viele Unternehmen in Ostwürttemberg stehen vor einem Generationswechsel. Der Vortrag hat eindrucksvoll gezeigt, dass erfolgreiche Nachfolge weit über juristische oder strategische Planung hinausgeht – es geht um Führungskultur und gelebte Verantwortung.“ Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über praktische Herausforderungen in regionalen Familienunternehmen. Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen zu Kommunikation, Mitarbeiterbindung und Führungsverständnis aus.

Mit ihrer Forschung leistet Rosalie Saemann einen wichtigen Beitrag zur Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz und praktischer Relevanz.