Der Gründercampus der Hochschule Aalen Der Gründercampus der Hochschule Aalen fördert das unternehmerische Denken und Handeln der Studierenden und sensibilisiert sie für Entrepreneurship und Intrapreneurship.

Der Gründercampus der Hochschule Aalen

Fr, 01. Juli 2022

Der Gründercampus der Hochschule Aalen fördert das unternehmerische Denken und Handeln der Studierenden und sensibilisiert sie für Entrepreneurship und Intrapreneurship. Mit der eigenen Gründungsidee durchstarten oder lieber studentische Gründungsvorhaben, Start-ups und Unternehmen beratend unterstützen? Am Gründercampus stehen alle Türen und Wege offen. Klar, dass auch hier die Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Wir stellen ein paar »nachhaltige« Gründungsideen vor und wie die studentische Untenehmensberatung »InnoConsult« Unternehmen rund um das Thema Nachhaltigkeit unterstützt.


Flugscham ade – Charterflüge nachhaltig gedacht

Die Frage, ob Business- und Privatflüge in die heutige Zeit passen, beschäftigt nicht nur potenzielle Fluggäste. Auch Tim Mayer, umtriebiger Macher hinter dem Start-up »aeroalpin«, hat sich damit intensiv auseinandergesetzt und möchte das Thema Umweltschutz nicht auf die Passagierinnen und Passagiere abzuwälzen. Der Alumnus der Hochschule Aalen, der Ende 2021 seinen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen gemacht hat, hat eine Charterfluggesellschaft für geschäftliche und private Flugreisen in der Region gegründet. Damit er seine Maschinen selbst steuern kann, hat er bereits während seines Studiums einen Pilotenschein gemacht. »Ich möchte Charterflüge nachhaltig denken. Die Zeichnung von CO2-Zertifikaten macht Flüge nicht sauberer«, ist Mayer überzeugt und ergänzt: »Zeitgemäße Mobilität mit Flugzeugen braucht ein durchdachtes Konzept und die richtige Maschine.« Nachhaltigkeit bedeute bei aeroalpin daher, selbst kleinste Prozesse zu optimieren, beginnend vom Abfallmanagement bis hin zur batterieelektrischen Bewegung
des Flugzeugs im Hangar und auf dem Vorfeld. Hauptaugenmerk liegt auf der Maschine selbst. Die Entscheidung für die Pilatus PC-12 NGX sei hierbei ein aktiver Beitrag zur Reduktion
von Ressourcen. Der High-Performance-Turboprop verbraucht im Vergleich zu Multi-Engine-Flugzeugen bis zu 80 Prozent weniger Kraftstoff – sprich weniger Kerosin und weniger Emissionen bei gleicher Reichweite. Oder, wie es Gründer Mayer formuliert: »Das beste Kerosin ist genau jenes, das nicht durchs Triebwerk fließt.« 

(Text: Achim Mayer; Bild: Thomas Niedermüller)


Typenreine Mülltrennung mit optischen Sensoren

Das Gründungsvorhaben Refine wird EXIST-gefördert und besteht aus den Gründern Maximilian Metz und Peter Vajs. Ziel von Refine ist es, eine vollautomatische Sortieranlage
zu ermöglichen, die durch einen günstigen Anschaffungspreis wirtschaftliches Kunststoffrecycling ermöglicht. Dabei werden sortierte Objekte gewonnen, die deutlich sortenreiner
sind als in vergleichbaren Anlagen, um damit Recyclat herzustellen. Mit Hilfe von Automatisierung wird zudem erreicht, dass der Materialpreis für Sekundärrohstoffe mit Primärrohstoffen mithält. Dazu wird ausschließlich mit optischen Sensoren und Deep-Learning-Algorithmen gearbeitet. Jede Verpackung soll eindeutig zu identifizieren sein, um damit langfristig eine typenreine Trennung zu ermöglichen. Durch die lernfähigen Ansätze wird stetig das Produkt verbessert, wodurch eine massentaugliche und wirtschaftlich günstige Lösung gewährleistet wird, die auch außerhalb von Industrieländen – beispielsweise in bevölkerungsstarken Schwellenländern – realisiert werden kann. Das Gründerteam möchte damit einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung von Müllbergen und Meeresverschmutzung leisten. Außerdem soll durch diese Idee die Recyclingquote europaweit, sogar weltweit gesteigert werden.

(Text: Peter Vajs)


Mit Aqua Fly die weltweite Wasserknappheit bekämpfen

Valentin Koch und Tim Warzawa, die im vergangenen Jahr an der Hochschule Aalen ihren Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen gemacht haben, bilden zusammen mit Luca Ockernahl (Foto v.l.n.r.) das Gründungsvorhaben Aqua Fly. Ihre Vision: Die Landwirtschaft mit Wasser aus feuchter Luft versorgt, um so die Wasserknappheit einer gesamten Branche zu bekämpfen. So werden beispielsweise 70 Prozent des Trinkwassers in Andalusien in der Landwirtschaft eingesetzt und die Wasserpreise vor Ort sind in den letzten 15 Jahren um 300 Prozent gestiegen. All dies sind Folgen des Klimawandels und auch langjähriger Misswirtschaft in einem komplexen Marktumfeld. Drohen in Folge extremer Wetterbedingungen Ernteausfälle, müssen die Bäuerinnen und Bauern mit einer Intensivierung der Agrarflächen durch Düngung oder Erweiterung der Anbauflächen reagieren, die eigentlich nicht darauf ausgelegt sind. Als Konsequenz treten Bodendegradierung und zusätzlicher Wassermangel auf. Die Gründer machen sich die Tatsache zu Nutze, dass die Atmosphäre sechs Mal so viel Wasser enthält wie alle Flüsse der Welt zusammen. Selbst in trockenen Wüsten gibt es genug Feuchtigkeit, die beispielsweise Käfer nutzen, indem sie dieses Wasser aus der Luft gewinnen, um davon zu trinken. Genau dasselbe Prinzip verfolgt Aqua Fly: Mithilfe überlebensgroßer Netzstrukturen aus speziellen Textilien gewinnen sie Wasser für die Landwirtschaft.

(Text: Tim Warzawa)


InnoConsult unterstützt beim Thema »Nachhaltigkeit als Unternehmensaufgabe«

Seit März 2021 wird die studentische Unternehmensberatung InnoConsult an der Hochschule Aalen aufgebaut. Um die Studierenden auf die Beratung und Unterstützung studentischer Gründungsvorhaben, Start-ups und Unternehmen vorzubereiten, wurden mehrere Pilotprojekte durchgeführt. In dieser Zeit sammelten die Studierenden nicht nur praktische Erfahrungen und Einblicke in die Wirtschaft, sondern konnten sich auch persönlich weiterentwickeln und ihre Soft Skills, wie beispielsweise ihre Präsentationstechniken, verbessern. Die Studierenden Angelina Broghammer, Sophie Schmidt, Tobias Krebs und Jan Leopoldseder arbeiteten mehr als drei Monate an einem spannenden Projekt zum Thema Nachhaltigkeit und Recycling, das vom Technologiekonzern Zeiss in Auftrag gegeben wurde. Nach drei Monaten Projektlaufzeit, vielen Stunden der Teamarbeit und zahlreichen Experteninterviews resümiert Arian Kriesch, Senior Manager im Bereich Strategic Projects bei Zeiss, über die Ergebnisse des Teams: »Ich freue mich, dass mit InnoConsult an der Hochschule Aalen eine studentische Beratung entsteht. Gerade beim dynamischen Thema Nachhaltigkeit ist es für uns wichtig, mit frischem Blick Anwendungen außerhalb der bestehenden Geschäftsfelder zu screenen: eine ideale Aufgabe für das studentische Beraterteam.« 


InnoConsult Case Day zum Thema Nachhaltigkeit

Wie können Geschäftsmodelle und Prozesse nachhaltiger werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der erste Case Day der studentischen Unternehmensberatung InnoConsult an der Hochschule Aalen. Im Fokus standen dabei reale Problemstellungen regionaler Start-ups und Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit. In Kooperation mit Zeiss, der Franke GmbH und der Kreissparkasse Ostalb erarbeiteten rund 40 Studierende der studentischen Unternehmensberatung InnoConsult innovative Konzepte, die unter anderem auf den 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 basieren. Die besten Konzepte wurden mit Preisgeldern von insgesamt 2.250 Euro honoriert, die die Gewinner-Teams für einen guten Zweck spendeten. Hierbei wurde der BuildingFuture e.V. unterstützt, der einen Kindergarten baut und sowohl auf erneuerbare Energien zurückgreift als auch die Selbstversorgung durch einen Obst- und Gemüsegarten fördert. Weitere Spendengelder gingen an den Kipepeo-Förderverein Kenia e.V., der den Lebens- und Ausbildungsraum Jugendlicher aus dem Slum fördert und dabei ein landwirtschaftliches Projekt aufbaut. Die dritte Spende erreichte die Skills For Future, die die Förderung von jungen Klimaschutzaktiven im Ostalbkreis antreibt.


Ostalb Hackathon x InnoConsult

11 Teams, 15 Coaches, 48 Stunden Arbeit, 3 Challenges, 1.000 Euro Gewinn: Das war der Ostalb Hackathon x InnoConsult. Im Mittelpunkt der Challenge »Circular-Economy« von Polyperformers, einer Idee der Hochschulmitarbeiterin Vanessa Vanini, stand das Sammeln von Plastik sowie das Thema, ein Bewusstsein für den Verbrauch von Plastik zu schaffen. Die studentische Unternehmensberatung InnoConsult war Teil des gesamten Hackathons, coachte und unterstützte die Teams der Nachhaltigkeits-Challenge in den Bereichen Ideengenerierung/Design-Thinking und Geschäftsmodellentwicklung. Denn in interdisziplinären Teams zu arbeiten und der Kreativität und Innovationskraft freien Lauf zu lassen ist schließlich auch eines der Ziele von InnoConsult. Entrepreneurship und Intrapreneurship, das unternehmerische Denken und Handeln innerhalb der Mitarbeiterschaft eines Unternehmens, das können die Studierenden im Rahmen der Projekte bei InnoConsult lernen. »Der Hackathon war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, und ich habe viel zu den Themen Projektarbeit und Teamwork gelernt«, sagt Sophie Schmidt, Beraterin bei InnoConsult und Teilnehmerin beim Ostalb-Hackathon. Lachend fügt die junge Frau, die an der Hochschule Aalen Gesundheitsmanagement studiert, hinzu: »Der Schlaf ist zwar ein bisschen zu kurz gekommen, aber die Kompetenzen, die ich bei diesem Hackathon erlangt habe, werden mir im Berufsleben viel nützen.«

(Text: Marleen Keller)



Der Gründercampus: Gründungs- und Innovationskultur an der Hochschule Aalen

Durch die Zusammenarbeit der folgenden Einrichtungen innerhalb des Gründercampus der Hochschule Aalen wird die Förderung Studierender im Bereich Entrepreneurship stetig weiterentwickelt: Gründercampus der Hochschule Aalen, studentische Unternehmensberatung InnoConsult, Innovationszentrum an der Hochschule Aalen, Masterstudiengang Business Development (Produktmanagement & Start-up-Management).


Förderhinweis

Das Projekt EXIST-Potentiale/SpinnovationNet wird im Rahmen des EXIST-Programms durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Als ein Teilprojekt wird die studentische Unternehmensberatung InnoConsult an der Hochschule Aalen aufgebaut.