„Es geht um Potentialentfaltung“Abschlussveranstaltung der aktuellen Mentoring-Runde an der Hochschule Aalen

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Koordinatorin Susann Radmacher freute sich über die rege Teilnahme an der virtuellen Abschlussveranstaltung des Mentoring-Programms KarMen.

Do, 23. Juli 2020

Nach einem bewegten und unüblichen Semester haben sich Teilnehmerinnen sowie Mentorinnen und Mentoren des Karriere-Mentoring-Programms „KarMen“ an der Hochschule Aalen zur Abschlussveranstaltung getroffen. Die Veranstaltung fand diesmal komplett als Videokonferenz statt. Trotzdem konnten sich die Teilnehmenden austauschen und nach einem Impulsvortrag an einer regen Diskussion teilnehmen.

Es war ein ungewohntes Abschlusstreffen des siebten Durchgangs von KarMen – dem Karriere-Mentoring-Programm für Frauen an der Hochschule Aalen. Normalerweise war der Senatssaal der Hochschule mit Mentees sowie Mentorinnen und Mentoren gefüllt. Dieses Mal wurde das Abschlusstreffen als Videokonferenz durchgeführt. Über 30 Teilnehmende schalteten sich zum Abschiedstermin zu. Das freute vor allem Programmkoordinatorin Susann Radmacher, die einen Rückblick über die vergangenen zehn Monate gab. „Bei KarMen geht es um Potenzialentfaltung. Es geht darum, das aus uns herauszuholen, was in jeder von uns steckt“, fasste sie die Idee hinter KarMen zusammen. Auch Prof. Dr. Jana Wolf, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Aalen, verwies auf die Wichtigkeit des Themas: „Mentoring und Netzwerken stehen ganz oben auf der Liste der Einrichtung für Gleichstellung, Diversity und Behinderung an der Hochschule Aalen. Und gerade Programme wie KarMen geben unseren Studentinnen die Möglichkeit, große Schritte in der persönlichen Entwicklung zu machen.“ Auch Prorektor Prof. Dr. Harald Riegel freute sich, dass das Mentoring-Programm so großen Zuspruch findet. „Wir sind als Gesellschaft auf einem guten Weg in Richtung Gleichstellung. Angekommen sind wir aber noch lange nicht“, findet der Prorektor. Deshalb sei auch das Engagement der Mentorinnen und Mentoren so wichtig. „Sie gehen alle so offen auf unsere Mentees zu und sind so freigiebig mit Ihren Erfahrungen und Ihrer Zeit“, lobte Susann Radmacher die Mentorinnen und Mentoren und dankte ihnen für ihr ehrenamtliches Engagement im Programm.

Hilfestellung leisten und von Erfahrungen profitieren

Die Mentorinnen und Mentoren kommen dabei aus unterschiedlichsten Unternehmen in der Region wie etwa Voith, Varta, Hartmann, Zeiss oder Bosch, aber auch aus Großkonzernen wie der Deutschen Bahn Netz AG, Airbus oder IBM. Das Engagement im Mentoring-Programm ist für viele eine Herzenssache. „Für mich ist es wichtig, jungen Frauen zu helfen, ihren Weg zu finden und ein Netzwerk für sich aufzubauen“, sagte Dr. Silvia Schön von Zeiss über ihre Tätigkeit als Mentorin und ergänzte: „Wir als Mentorinnen und Mentoren haben die Möglichkeit, unsere Mentees bei konkreten Themen wie beispielsweise Gehaltsverhandlungen zu unterstützen, um so den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.“

Und für diese Hilfe sind die Mentees auch sehr dankbar. Elisabeth Heinitz, die im Master Industrial Management studiert, erinnerte sich gerne an die One-to-One-Treffen mit ihrer Mentorin zurück. „Sie hat mir ihren Weg aufgezeigt. Das hat mir Mut gemacht, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich kann es kaum erwarten, jetzt selbst im Beruf durchzustarten“, erzählte sie begeistert. Neben den Treffen mit Mentorin oder Mentor nehmen Mentees an speziellen Coachings, Netzwerktreffen und anderen Veranstaltungen teil, die zur Karriere-Orientierung und Persönlichkeitsentwicklung dienen. Und dieses Angebot kommt an. „Das Mentoring hat mir gezeigt, was ich brauche, um später im Beruf erfolgreich zu sein“, schloss Elisabeth Heinitz ihren Rückblick. Carolin Helming, die ihre Masterarbeit bei Zeiss SMT in Oberkochen schrieb und in dieser Zeit parallel am Mentoring-Programm teilgenommen hatte, konnte nur zustimmen. „Mein Netzwerk hat sich während des Mentorings immens erweitert. Das hat mir sowohl bei der Masterarbeit als auch beim Berufseinstieg sehr geholfen“, erzählte sie.

Für sich selbst einstehen

Im Anschluss hielt Lisa Duchscherer einen Impulsvortrag mit dem Thema „Frauen und Führung – Wie sieht das System aus, in dem Frauen Karriere machen möchten?“. Lisa Duchscherer ist CEO und Gründerin von NakedMinds GmbH, die ein Netzwerk für Expertinnen und Experten im Bereich von Transformation und Digitalisierung darstellt. Für sie war der Schritt aus dem „corporate system“, also der Berufswelt als Angestellte in Unternehmen, der richtige Schritt. „Leistung wird immer gefordert, aber selten belohnt“, erklärte sie unumwunden und ergänzte: „Gerade bei Frauen. Selbst wenn gute Arbeit geleistet wird, wird meist der männliche Kollege befördert.“ Warum das so sei? Die Antwort ist laut Lisa Duchscherer simpel. Weil der Mann besser ins corporate system passe. Weil er nicht oder nur selten wegen familiärer Verpflichtungen ausfalle – oder eben schwanger werde. Und solange sich dieses corporate system nicht ändere, sei es für Frauen schwieriger, Karriere zu machen. „Lernen Sie, für sich selbst einzustehen“, gab sie den Mentees mit auf den Weg. Es sei nur menschlich, Kinder zu bekommen, krank zu sein oder persönliche Grenzen abzustecken. Das sei wichtig und auch erlaubt. Ob Lisa Duchscherer wieder ins corporate system zurückkehre, sei bisher noch nicht sicher. Dazu müsse sich das System erst verändern. „Aber diese Veränderung darf nicht von Männern für Frauen gemacht werden“, warnte sie abschließend und fügte hinzu: „Sondern Frauen müssen für sich einstehen und somit das System Stück für Stück ändern.“


Bildnachweis: © Hochschule Aalen | Bianca Kühnle