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Vordenker der deutschen VolkswirtschaftWirtschaftsweise zu Gast an der Hochschule Aalen

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Die drei Preisträgerinnen des Stützel-Hochschulpreises 2019: Frau Anika Braun, Frau Monika Anselm (in Vertretung für ihre Schwester Melanie) und Frau Elena Kaufmann (v.l.n.r.).

Mo, 15. April 2019

Zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft konnten Wolfang Weiß, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen, Prorektor Prof. Dr. Karl-Heinz Bürkle und Prof. Dr. Ingo Scheuermann, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften beim Stützel Symposium 2019 an der Hochschule Aalen begrüßen. Die Stadt Aalen und die Hochschule Aalen freuten sich über die gelungene Veranstaltung und den Besuch des Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Dr. h .c. Lars Feld. „Ich freue mich ganz besonders, dass mein ehemaliger Kollege diesen Vortrag übernommen hat. Unsere gemeinsamen Jahre im Sachverständigenrat waren wirklich eine sehr spannende und interessante Zeit“, sagte Prof. Dr. Peter Bofinger, der als ehemaliges langjähriges Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einige einleitende Worte zu Veranstaltungsbeginn sprach. Feld, der im letzten Jahr aufgrund von Verkehrschaos absagen musste, holte in diesem Jahr seinen angekündigten Vortrag nach.

Feld ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg, Direktor des Walter Eucken Instituts und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. „Stützels Spuren ließen sich im Saarbrücker VWL-Studium lange nachverfolgen, sowohl makroökonomisch, aber auch mikroökonomisch, vor allem in Bezug auf die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“, berichtet Feld von seinem eigenen Werdegang und fügt hinzu: „Ich habe Wolfgang Stützel somit indirekt einiges zu verdanken.“

Wolfgang Stützels 1977 in der ZEIT veröffentlichter Beitrag „Die fünf Todsünden“ wird vielfach als bedeutsam für die Umkehr der FDP in Richtung Marktwirtschaft gewertet. Dieser Schwenk bedingte den Übergang von der sozialliberalen zur christlich-liberalen Koalition im Jahr 1982 – oder wie Feld sagt: „Politisch war das die Ouvertüre zu den Änderungen der FDP-Programmatik hin zur Regierung Kohl.“ Die Regierung Kohl hat jedoch nur wenige Inhalte dieses Papiers umgesetzt. „Die Kohl-Regierung setzte Stützels Ideen vor allem in der Finanzpolitik um“, so der Wirtschaftsweise, „in den anderen Bereichen jedoch nur wenig.“ Dies war Gerhard Schröder ab 1998 vorbehalten. In seinem Vortrag im Studium Generale zeichnete Feld diese Entwicklung nach. „Neben der Einführung der Servicekultur durch die Bundesagentur für Arbeit war es vor allem Hartz IV - die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld - was am Stärksten als Entwicklung von Stützel bis Schröder herausgearbeitet werden kann“, erklärt der Wirtschaftsweise. Darüber hinaus verglich der Wirtschaftsweise die späteren Reformen mit den Ideen Stützels. Diese setzen sich mit angebotspolitischen Fragestellungen auseinander. Schließlich wagte Lars Feld eine Antwort auf die Frage, was die Reformen der Agenda 2010 bis heute bewirkt haben.

Für Prof. Dr. Ingo Scheuermann, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, war das bereits mehrfach an der Hochschule Aalen veranstaltete Stützel Symposium eine erfolgreiche und zukunftsweisende Veranstaltung. „Gerade die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung sind bislang wenig untersucht worden“, bemerkte Scheuermann. Stadt und Hochschule seien gleichermaßen daran interessiert, das Symposium als Plattform für den volkswirtschaftlich - gesellschaftlichen Dialog weiterzuentwickeln.

 

Hochschulpreis

Auf dem Symposium wurde auch wieder der Wolfgang-Stützel-Gedenkpreis für besonders innovative, herausragende Abschlussarbeiten an Studierende vergeben, um an die Verdienste und das Leben Stützels zu erinnern. In diesem Jahr geht der Preis an Anika Braun (Absolventin Bachelor Internationale Betriebswirtschaft), Melanie Anselm (Absolventin Bachelor Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen) und Elena Kaufmann (Absolventin Master Auditing, Finance and Governance). Der Preis, der von der Murrplastik Systemtechnik GmbH gestiftet wird, umfasst eine Reise nach Berlin. Die Preisträger werden vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung empfangen und haben die Möglichkeit, mit den Wirtschaftsweisen zu diskutieren.


Fotonachweis: © Hochschule Aalen | Carolin Fischer