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Preis des Landes Baden-Württemberg für Virtuelle Lehre geht an FH Aalen

Do, 04. Dezember 2003

Der erste Virtuelle Lehrpreis des Landes Baden-Württemberg ging an die Fachhochschule Aalen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft ließ nicht nur die großen Universitäten des Landes in Stuttgart, Heidelberg, Tübingen, Mannheim oder Freiburg hinter sich. Als einzige Hochschule war die FH Aalen am Tag der Virtuellen Hochschule mit zwei Beiträgen zur virtuellen Lehre nominiert. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis nahm Prof. Dr. Dietmar Schmid vom Studiengang Fertigungstechnik aus den Händen von Ministerialdirektor Wolfgang Fröhlich entgegen. Prämiert wurde das Praktikum „Telerobotik“ von Prof. Dr. Schmid im Verbund Virtuelles Labor (VVL). Das Preisgeld möchte er für die Weiterentwicklung der virtuellen Lehre mit immersiven Systemen verwenden. Damit soll es möglich werden, Bauteile, Maschinen und Anlagen auch von Innen zu betrachten und zu begehen. „Durch die immersive Projektion werden nicht begehbare Bereiche von Anlagen, die zu klein, zu gefährlich oder unzugänglich sind, begehbar. Das eröffnet der Fertigungstechnik ungeahnte Möglichkeiten“, sagte Prof. Dr. Schmid. Den zweiten Beitrag, der es ebenfalls in die Endausscheidung der Preisverleihung schaffte, steuerte Prof. Dr. Michael Bauer vom Studiengang Internationale Betriebswirtschaft mit dem Projekt „Streaming Media“ bei.

Im Verbund Virtuelles Labor (VVL) werden Laborpraktika zur Automatisierungstechnik und Informatik entwickelt und über das Internet betrieben. Das virtuelle Praktikum umfasst eine multimediale Einführung in die Aufgabenstellung sowie die Ausführung von Experimenten in realen Laboren, die ebenfalls über das Internet angesteuert werden. Die Praktika sind in den Lehrplan der Studiengänge integriert und werden hochschulübergreifend genutzt. In Stuttgart stellten Studierende des Studiengangs Internationale Betriebswirtschaft der FH Aalen von Prof. Dr. Susanne Kinzler vor, wie im Zuge eines solchen Praktikums Qualitätsdaten statistisch ausgewertet werden. Ihre Kommilitonen vom Studiengang Maschinenbau der Partnerhochschule Universitat Politecnica de Catalunya in Tarrassa ermittelten am Laptop die Lineargenauigkeit von Bewegungen, die ein Roboter zur selben Zeit in Aalen ausführte.

„Bei den virtuellen Laborpraktika sind die Studierenden nicht an eine Zeit oder einen Ort gebunden“, erklärte Prof. Dr. Schmid. Außerdem wirke die Einbindung von Laborversuchen in eine Vorlesung belebend für den nur theoretisch thematisierten Lernstoff. Einen weiteren Vorteil der Tele-Laboratorien sieht der Professor für Fertigungstechnik an der FH Aalen in der intensivierten Ausnutzung der Laborpotenziale einer Hochschule: „Damit lassen sich die Kosten für den Betrieb eines Labors pro Stunde und Student erheblich reduzieren und so mit einer verbreiterten Studentenbasis nutzen.“

Die Förderung des Verbundprojektes durch das Land läuft noch ein halbes Jahr. Danach wird die Fachhochschule für ein Jahr die Kosten für die dafür geschaffene Stelle übernehmen. Was dann kommt, ist noch ungewiss. Dies ärgert Prof. Dr. Dr. Hering, Rektor der Fachhochschule Aalen: „Man kann doch nicht ein Projekt anstoßen und, nachdem es sich als äußerst erfolgreich erwiesen hat, die dafür nötigen Mittel abziehen.“

Der Fortbestand des zweiten Erfolgsmodells der Fachhochschule Aalen hängt von der Marktakzeptanz des Streaming Media Konzeptes ab. Prof. Dr. Michael Bauer rechnet mit einem Marktanteil von maximal 25 Prozent für virtuelle Vorlesungsmodule in der Weiterbildung. „Ideal ist für Lernende die Kombination aus multimedialen Lerneinheiten und Präsenzveranstaltungen“, so der Professor für Internationale Betriebswirtschaft. Constance Schulz, Marc Slonek und Bruno Jans präsentierten in Stuttgart Vorlesungsmodule, die an der FH Aalen für den Masterstudiengang Vision and Business erstellt wurden. „Für uns ist schon die Präsentation ein großer Erfolg“, sagte Prof. Dietmar Kümmel vom Studiengang Augenoptik. „Streaming Media" wurde neben vier weiteren Projekten aus 46 Bewerbungen baden-württembergischer Hochschulen nach Stuttgart zur Abschlussveranstaltung der Virtuellen Hochschule eingeladen. „Von diesen fünf Hochschulen waren wir zudem die einzige Fachhochschule“, ergänzte Prof. Dr. Bauer stolz.

Autor: Dr. Marc Dressler (Stabstelle Kommunikation)