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Auf den Gründungs-Geschmack gekommenProjekt Spinnovation blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück

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Mitglieder des Projekts "Spinnovation" nahmen im vergangenen Juli am Start-up-Gipfel in Stuttgart teil.

Mi, 31. Januar 2018

Wie bringt man Studierende auf den Geschmack, über den Schritt in die Selbstständigkeit nachzudenken? Wie etabliert man gleichzeitig eine lebendige Gründungskultur auf dem Hochschulcampus? Drei Hochschulen aus Baden-Württemberg haben sich zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Antwort zu suchen. Schließlich werden aus innovativen Start-ups von heute die Arbeitgeber von morgen. Entstanden ist dabei das Projekt „Spinnovation“ – ein Kooperationsprojekt der Hochschule Aalen, der Hochschule Reutlingen und der Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart – das bis Ende 2019 vom Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert wird. Nach einem Jahr zogen die Beteiligten nun eine Zwischenbilanz: Innerhalb von zwölf Monaten konnten über 300 Geschäftsideen entwickelt und somit die Zielvorgaben weit überschritten werden.

Das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg fördert von 2016 bis 2019 Projekte an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Kunsthochschulen und Dualen Hochschulen, die helfen, eine lebendige Gründungskultur zu etablieren. Groß war im Herbst 2016 der Jubel, als den drei Hochschulen der Zuschlag für das Projekt „Spinnovation“ – eine Wortschöpfung aus Spin-off und Innovation – mitgeteilt wurde. „Insgesamt fließen so rund 1,8 Millionen Euro Fördergelder nach Aalen, Reutlingen und Stuttgart, die wir bis 2019 sehr effizient für die Gründungsförderung einsetzen werden“, erklärt Thomas Rehmet, Mitarbeiter an der Hochschule Reutlingen und gleichzeitig Projektleiter für Spinnovation. Die Studienangebote der drei Partnerhochschulen decken große Bereiche der Zukunftstechnologien ab, wie zum Beispiel Informatik, Maschinenbau, Elektronik oder Medizintechnik. Alle drei haben sich zudem als forschungsstarke Hochschulen profiliert. „Dies sind sehr gute Voraussetzungen für Gründungen in Zukunftstechnologien, die die Partner nun gemeinsam fördern und ausbauen“, ergänzt Rehmet.

Unternehmerisches Denken als Schlüsselkompetenz
Was aber ist das Besondere dieses Ansatzes? „Die Digitalisierung bietet enorme Chancen; Es werden völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. In diesem Zusammenhang werden Entrepreneurship und unternehmerisches Denken zur absoluten Schlüsselkompetenz. Wir müssen stärker in der Ausbildung an Hochschulen vermitteln, wie man Ideen erarbeitet, diese entwickelt und dann zügig in Geschäftsmodelle bringt. Und der Spaß und die Begeisterung bei der Sache dürfen nicht zu kurz kommen“, ergänzt Nils Högsdal, Professor für Corporate Finance & Entrepreneurship und Prorektor Innovation an der Hochschule der Medien Stuttgart.

Das Vorhaben startete unter anderem mit so genannten Begeisterungs-Workshops, Ideen-und-Geschäftsmodell-Seminaren, Gründerwettbewerben, Bootcamps für Gründungsinteressierte und intensiven Team-Coachings im Frühjahr 2017 an den drei Hochschulen erfolgreich. „Im Rahmen der Begleitforschung durch die HdM haben wir zunächst interessante Phänomene ermittelt: So können sich 59 Prozent der Studierenden eine Unternehmensgründung als Perspektive vorstellen. Freiheit, Selbstbestimmung und finanzieller Erfolg sind die meistgenannten Gründe für eine solche Gründung. Große Ängste bezüglich finanziellem Risiko und Unsicherheit bremsen allerdings derartige Überlegungen. Deshalb müssen wir eine Stufe vorher ansetzen – beim Mind-Set. Dieses gilt es zu ändern“, berichtet Prof. Dr. Jürgen Münch, Professor für Start-up-Methoden und Mitglied des erweiterten Präsidiums an der Hochschule Reutlingen.

Eine wichtige Aufgabe sehen die drei Hochschulen deshalb schon im Vorfeld: Durch positive Erfahrungen während des Studiums sollen möglichst viele Studierende dafür gewonnen werden, sich mit Innovationen und unternehmerischem Denken spielerisch auseinanderzusetzen. Schon vom ersten Semester an soll ihnen die Angst genommen werden. „Gründung darf nicht gleich mit Risiko in Verbindung stehen. Unser Motto ist deshalb: begeistern, Ideen durchspielen und entwickeln – und das in einem möglichst risikolosen Umfeld, zum Beispiel in Übungsfirmen und intensiven Coaching-Phasen, noch vor der eigentlichen Gründung. Da helfen natürlich Räume und praxisorientierte Coaches ungemein“, weiß Holger Held, der zusammen mit Andreas Ehrhardt, dem Leiter des Innovationszentrums an der Hochschule Aalen, die Gründungsinitiativen an der Hochschule koordiniert.

Erfolgreiche Zwischenbilanz nach einem Jahr: „Auf einem guten Weg“

Die richtigen Impulse geben, gemeinsames Lehren und Lernen, das Simulieren von Gründungen und ein reger Erfahrungsaustausch: Ambitioniert sind die angestrebten Ziele. Bis zum Ende des Förderprojekts werden sich zusammen an den drei Hochschulen 3.000 Studierende intensiv mit dem Thema Gründung beschäftigt und 500 Studierende konkrete Geschäftsideen erarbeitet haben, die letztlich in 100 validierten – das heißt: belastbaren – Gründungskonzepten münden. Das Projekt konnte bereits während des ersten Jahres über 2.000 Studierende für die Gründungsthematik sensibilisieren. Darüber hinaus wurden im Rahmen von Vorlesungen und Gründungswettbewerben über 300 Geschäftsideen entwickelt, einige davon befinden sich bereits in einer sehr intensiven Umsetzungsphase. „Die Zahlen sprechen für sich und sind ein erster Beleg, dass wir auf einem guten Weg sind – wir wollen möglichst viele unternehmerisch Denkende auf den Geschmack bringen“, betont Rehmet, der auf verschiedene konkrete Gründungsvorhaben verweist. „Viele Ideen und Prototypen wurden bereits entwickelt, sei es der erste faltbare Löffel, gefüllt mit Granulat für unterschiedliche Getränke, oder sei es das Start-up CellGarden, das in Form von selbst gezüchteten Sprossen und Mikrogrün eine vollwertige und gesunde Ernährung ermöglicht.“ Die nächsten Schritte seien bereits in der Umsetzung: „Wir bieten an allen drei Hochschulen Lehrveranstaltungen für alle Phasen einer Existenzgründung an. Das fängt mit Sensibilisierungsworkshops für Erstsemester an und reicht bis zur Bereitstellung von Co-Working-Flächen an jeder Hochschule für besonders spannende Geschäftsideen“, erläutert Hartmut Rösch, Leiter des Stuttgarter Start-up-Generator Centers. Die HdM habe mit der Schaffung dieses Centers bereits im Jahr 2009 eine Vorreiterrolle in der baden-württembergischen Hochschullandschaft übernommen und teile dieses Know-how nun im Rahmen des Projekts mit seinen Partnerhochschulen.

Folgeprojekt ab 2020 geplant

Laut Högsdal solle künftig jeder einzelne Student an den drei Hochschulen im Verbund das Programm durchlaufen. „Wir wollen tatsächlich 100 Prozent der Studierenden erreichen, um daraus möglichst viele Gründungen hervorgehen zu lassen.“ Damit dies gelingt, haben Prof. Dr. Hendrik Brumme, Rektor der Hochschule Reutlingen, Prof. Dr. Alexander W. Roos, Rektor der Hochschule der Medien Stuttgart und Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen, ein gemeinsames Folgeprojekt ab 2020 für einen so genannten hochschulübergreifenden „Seed-Accelerator“ erarbeitet. Högsdal fasst das Vorhaben so zusammen: „Es baut auf dem Projekt Spinnovation auf und macht in einem Intensivprogramm aus einer ersten Idee eines Studierenden innerhalb von 100 Tagen ein valides Geschäftsmodell.“ Das Konzept beinhalte sowohl die Verknüpfung zur Forschung als auch die Zusammenarbeit mit der regionalen Industrie und Wirtschaft. Es sei bereits mit dem Wirtschaftsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg abgestimmt.

Gemeinsame Gründer-Zertifikate und zwischen den Hochschulen abgestimmte Vorlesungsinhalte und -methoden sollen hierbei wichtige Meilensteine sein. „Meine Rektoren-Kollegen Hendrik Brumme aus Reutlingen und Alexander W. Roos aus Stuttgart und ich sehen unser Vorhaben als Pilotprojekt mit Modelcharakter für andere Hochschulen für angewandte Wissenschaften und werden gemeinsam intensiv daran arbeiten“, bekräftigt Prof. Dr. Gerhard Schneider, wie Brumme Mitglied im Vorstand des Vereins Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg e.V. „Wenn so forschungs- und projektstarke Hochschulen zusammenarbeiten, bin ich mir sicher, dass wir für das Gründungsgeschehen in Baden-Württemberg viel bewegen können.“