In vielen westlichen Demokratien hat sich in den vergangenen Jahren eine neue politische Kluft aufgetan: Junge Männer wählen deutlich häufiger radikal rechts als junge Frauen - und die Schere öffnet sich weiter. Der Vortrag geht dieser Entwicklung in zwei Schritten nach. Zunächst zeichnet er anhand von Umfragedaten der letzten zwei Jahrzehnte nach, wie sich Wahlverhalten, politische Einstellungen und Ansichten zur Geschlechtergleichstellung junger Männer entwickelt haben - und wo sie sich von jungen Frauen und älteren Männern entfernen. Der zweite Teil widmet sich einem Erklärungsfaktor, der in der öffentlichen Debatte zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: der politischen Mobilisierung durch die sogenannte "Manosphere". Wie wird aus online-Inhalten zu Selbstoptimierung, Dating und männlicher Benachteiligung eine erhöhte Unterstützung für rechtsextreme Parteien?
Der Vortrag stellt erste Ergebnisse eines Online-Experiments mit jungen Männern in Deutschland vor. Es untersucht, ob und wie Manosphere-Inhalte in sozialen Medien den Boden für rechtsextreme politische Mobilisierung bereiten - und welche Strategien dieser Dynamik etwas entgegensetzen können.
Dozent: Prof. Dr. Alexander De Juan, Universität Osnabrück
Achtung: Der Vortrag ist öffentlich und kann von allen Interessierten besucht werden.
Workload: 3 für die vollständige Teilnahme (entspricht 0,1 CP)
Anmeldung: Studierende der Hochschule Aalen müssen sich jedoch vorab verbindlich über das SAP-Onlineportal (WiSe26Vort29) anmelden, damit eine Anrechnung des Workloads erfolgen kann. Für Personen, die nicht an der Hochschule Aalen studieren, ist keine Anmeldung erforderlich.
FAKTEN, VIELFALT, FREIHEIT
Für eine resiliente Demokratie und gelebte Erinnerungskultur
Vor einem Jahr startete an der Hochschule Aalen in Zusammenarbeit mit der Partnerschaft für Demokratie Ostalbkreis die multidisziplinäre Vortragsreihe FAKTEN, VIELFALT, FREIHEIT, damals mit dem Unterthema „Wissenschaftliche Antworten auf populistische Narrative“. Das Ziel war, angesichts autoritärer Bedrohungen aus dem In- und Ausland für unsere demokratischen Werte einzutreten, diese mit wissenschaftlichen Befunden und Argumenten zu untermauern und – ganz im Sinne unseres Landeshochschulgesetzes – Inhalte zu vermitteln, die zu verantwortungsvollem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat befähigen. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse bei Studierenden und darüber hinaus.
Da das Thema weiter an Relevanz und Aktualität gewonnen hat, setzen wir die Reihe im Wintersemester 2026/27 mit drei Vorträgen, einer Filmvorführung und einer Theateraufführung fort. Thematisiert werden unter anderem geschlechtsspezifische Unterschiede im Wahlverhalten und Zusammenhänge mit der „Manosphere“, die Frage nach dem Schutz von Hochschulen vor autoritären Strömungen und Angriffen auf die Demokratie sowie die zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit in Deutschland.
Ergänzt wird die Vortragsreihe durch Formate der Erinnerungskultur. Die Vorführung des Dokumentarfilms „Wir dürfen es nicht vergessen“ mit anschließender Podiumsdiskussion widmet sich der Aufarbeitung des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten. Die Theateraufführung „NSU-Monologe“ thematisiert die Mordserie des rechtsterroristischen Untergrunds in den späten 1990er- und 2000er-Jahren.