13. April 2026

Optimierte Ankopplung in der Hörgeräteversorgung: Innovation durch okklusionsminimierende Otoplastiken

Die Qualität einer Hörgeräteversorgung wird maßgeblich durch die physikalische Schnittstelle zwischen Technik und Gehörgang bestimmt. Im Rahmen des Forschungsprojekts OPAHOGO forscht die Hochschule Aalen (Prof. Dr. Steffen Kreikemeier) gemeinsam mit dem Deutschen Hörgeräte Institut GmbH und der Hörakustik Jens Pietschmann GmbH an zukunftsweisenden Lösungen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Das Dilemma der Ankopplung

Hörgeräte benötigen für eine ideale Signalverarbeitung eine möglichst geschlossene Ankopplung an das Ohr. Diese führt jedoch bei vielen Nutzer:innen zum sogenannten Okklusionseffekt – einem unangenehmen Druckgefühl und einer unnatürlichen, dröhnenden Wahrnehmung der eigenen Stimme. Bisherige Lösungen wie Belüftungsbohrungen mindern diesen Effekt oft auf Kosten der akustischen Leistungsfähigkeit der Hörgeräte. Das Projekt evaluiert nun neue Wege, um geschlossene Systeme ohne diese qualitativen Abstriche zu realisieren.

 

Optimierte Fertigungsverfahren im Fokus

Um komplexe, okklusionsminimierende Designs in die Praxis zu überführen, erarbeitet die Hochschule Aalen spezifische Empfehlungen für die Fertigung:

  • Evaluation filigrane Otoplastikgeometrien: Einsatz hochauflösender 3D-Druckverfahren wie SLA, DLP und innovativer Xolographie

  • Prozessoptimierung: Identifikation und Elimination technischer Fallstricke bei der Umsetzung komplexer Geometrien

  • Materialbewertung: Berücksichtigung materialtechnischer Anforderungen zur Sicherstellung einer reproduzierbaren Fertigungsqualität

 

Übergreifende Koordination und Technische Messungen 

Das Deutsche Hörgeräte Institut GmbH (DHI) übernimmt die wissenschaftliche Gesamtkoordination des Projekts. Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der systematischen Analyse, wie sich unterschiedliche Ankopplungsformen auf die akustische Leistung und den subjektiven Tragekomfort beeinflussen. Durch detaillierte Probandenstudien und Labormessungen validiert das Team die Wirksamkeit der Designs. Zudem wird die Leistungsfähigkeit moderner Hörgerätefunktionen – etwa die Störgeräuschunterdrückung – unter Einsatz präziser Messverfahren an Kunstköpfen evaluiert.

 

Praktischer Nachweis und klinische Relevanz

In enger Zusammenarbeit mit der Hörakustik Jens Pietschmann GmbH wird der Nutzen der neuen Designs in praktischen Versorgungsfällen nachgewiesen. Durch den Einsatz bei Kund:innen vor Ort wird evaluiert, inwiefern die okklusionsminimierenden Otoplastiken die subjektive Akzeptanz und die objektive Sprachverständlichkeit im Alltag steigern.