Die Digitalisierung verändert Arbeit und Arbeitsformen grundlegend und ebnet eine neue Zukunft der Erwerbstätigkeit. In diesem Kontext gewinnt digitale Plattformarbeit in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung: Immer mehr Menschen arbeiten als Plattformbeschäftigte. Heutzutage existieren für nahezu jede Dienstleistung digitale Plattformen, über die sowohl ortsgebundene (lokal, Gigwork) als auch ortsungebundene Aufträge (in der Regel im Homeoffice, Crowdwork) zwischen Anbietern und Nachfragenden vermittelt und erbracht werden – von Lieferdiensten über Reinigungs- oder Pflegedienstleistungen bis hin zu kleinen Textarbeiten. Obwohl Anstellungsverhältnisse bei Plattformen zunehmend vorkommen, erfolgt diese Arbeitsform überwiegend durch Solo-Selbständige, häufig nebenberuflich. Dadurch finden traditionelle Arbeitsschutzregelungen oft keine Anwendung. Zugleich zeichnet sich Plattformarbeit durch spezifische Belastungen aus: prekäre Beschäftigungsverhältnisse, hoher Zeitdruck, vereinzeltes Arbeiten und die Steuerung der Arbeit durch algorithmische Systeme.
Hier setzt das Forschungsprojekt „GIGG – Gig- und Crowdwork gesundheitsförderlich gestalten“ an, dass Anfang Mai 2026 gestartet wurde. Gefördert von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht das Vorhaben in den kommenden drei Jahren die Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten. Wissenschaftlich begleitet wird die Untersuchung von Prof. Dr. Tanja Carstensen (TU Chemnitz) sowie Prof. Dr. Regina Kempen und Prof. Dr. Kerstin Rieder (Hochschule Aalen).
Das Projekt wird exemplarisch vier Branchen analysieren und dabei ein Mixed-Methods-Design mit unterschiedlichen qualitativen und quantitativen Methoden einsetzen. Zudem verfolgt es einen inter- und transdisziplinären, partizipativen Forschungsansatz: Die Zielgruppe wird in Planung, Datenerhebung und Auswertung aktiv eingebunden. Um die Besonderheiten digitaler Plattformarbeit adäquat zu erfassen, wird ein neues Instrument entwickelt, das nach Projektabschluss Forschung und Praxis zur Verfügung stehen wird. Auf Basis der Ergebnisse sollen Empfehlungen erarbeitet werden, die die Arbeitsbedingungen von Plattformarbeiterinnen und -arbeitern verbessern sollen.