Phase 1 des Projekts „AA-MOBIL“ ist abgeschlossen (v.li.): Stefanie Benz, Felix Unseld, Hans-Peter Weber, OB Thilo Rentschler, Prof. Dr. Anna Nagl und Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter unterstützen den Fortgang, nicht auf dem Foto Anja Hoh
Montag, 9. November 2020: Umweltfreundlich und nachhaltig, aber gleichzeitig einfach und nutzerfreundlich: So könnte das Mobilitätskonzept in Aalen für die Zukunft aussehen. Um dafür Lösungen zu erarbeiten, wurde das Verkehrsprojekt „AA-MOBIL“ ins Leben gerufen und im Rahmen der Richtlinie „MobilitätsWerkStadt 2025“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Projektteam um Wirtschaftsförderer Felix Unseld, Prof. Dr. Anna Nagl vom Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle der Hochschule Aalen, und Hans-Peter Weber, Vorstandsmitglied der OstalbBürgerEnergie eG (OBE), legte nach bisher knapp einjähriger Projektarbeit im Beisein von Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler und dem Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter seinen Schlussbericht vor. „Die Ideen lassen sich gut mit unseren weiteren Smart City-Projekten verknüpfen“, sagte Oberbürgermeister Rentschler.
Die Stadt Aalen hat mit dem Ziel der Verbesserung der Verkehrssituation, insbesondere des Berufspendlerverkehrs, ein Projekt skizziert und wurde zusammen mit deutschlandweit 50 Kommunen für diese Förderung ausgewählt. Vorrangiges Ziel der BMBF-Forschungsprojekt-Richtlinie "MobilitätsWerkStadt 2025" ist die Entwicklung von Konzepten zur Reduzierung des Individualverkehrs und der damit verbundenen Schadstoffemissionen.
In der bis Ende diesen Jahres abzuschließenden Phase 1 steht die Entwicklung von innovativen Ideen und Lösungsansätzen für ein modernes und nachhaltiges Gesamtmobilitätskonzept für die Region Aalen im Mittelpunkt. In der darauf folgenden, auf drei Jahre ausgerichteten, Phase 2 dieser BMBF-Förderrichtlinie, für die seitens der Stadt Aalen ein Förderantrag gestellt wird, geht es darum, die Lösungsvorschläge zu evaluieren und die Umsetzung mit einer Partnerkommune und Partnerunternehmen zu erproben. In der Phase 3 soll die Anwendbarkeit in Pilotprojekten konkret abgesichert werden und die Übertragbarkeit auf weitere Mittelzentren sichergestellt werden.
Erkenntnisse aus der Befragung in Phase 1
In der Phase 1 ging es insbesondere darum, die derzeitige Verkehrssituation zu betrachten und die Einstellungen der Menschen hinsichtlich ihrer persönlichen Mobilitätssituation und ihrer Mobilitätsbedürfnisse zu ergründen. Dazu wurden über 1300 Bürger, Arbeitnehmer, Unternehmen sowie Bus- und Bahnunternehmer befragt. Eines der Kernergebnisse ist, dass den Menschen in der Region ein hohes Maß an individueller Mobilität überaus wichtig ist. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt den eigenen Pkw für die Fahrt zur Arbeit oder Bildungseinrichtung. Nur 15 % fahren dabei mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 13 % fahren Rad und 8 % gehen zu Fuß.
Über zwei Drittel besitzen zwei oder mehrere Pkws im Haushalt; 96 % dieser Pkws werden durch Verbrennungsmotor angetrieben. 62 % der Befragten wollen bei Gelegenheit einen Umstieg auf ein E-Fahrzeug in Betracht ziehen. Hinsichtlich der Elektromobilität besteht erheblicher Informationsbedarf. Fünf Argumente gegen E-Fahrzeuge werden dabei vorgebracht: zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenige Ladesäulen, zu lange Ladedauer und negative Umweltaspekte der Batterie.
Auch in Bezug auf den ÖPNV bestehen Informationsdefizite: Vom Hauptbahnhof bzw. dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gelangt man z. B. im 10-Minutentakt zur Hochschule. Die meisten Ziele in Aalen können im 20-Minutentakt erreicht werden. Ebenso ist bereits auf vielen Buslinien eine Echtzeitauskunft möglich. Insgesamt nutzen aber auch in Aalen nur 10 % der Menschen den ÖPNV - dies entspricht der durchschnittlichen Nutzung auf Landesebene.
Partizipation als oberste Prämisse in diesem BMBF-Forschungsprojekt
In einem Projektworkshop, an dem neben den Mitgliedern des Projektteams auch Vertreter vom Stadtplanungsamt, Tiefbauamt sowie dem Amt für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität auch Industrieunternehmen teilgenommen haben, wurden Lösungsvorschläge erarbeitet. Im Rahmen dieses BMBF-Forschungsprojektes wird eine Koordinationsstelle für Mobilität bei der Stadt vorgeschlagen. Diese soll in Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Bildungseinrichtungen einen für die Region maßgeschneiderten Mobilitätsbaukasten entwickeln, aus dessen Elementen sich die Unternehmen und Bildungseinrichtungen ihr individuelles Mobilitätskonzept zusammenstellen können. Dabei würden sie idealerweise von einem Mobilitätskoordinator beraten und begleitet.
Wichtiger Bestandteil des Mobilitätsbaukastens soll eine multimodale App sein. Diese soll u.a. unternehmensübergreifende Fahrgemeinschaften und Werksbuslinien ermöglichen und steuern - zeitlich und räumlich flexibel soll so zu den gewünschten Zielen gependelt werden. Die dazu notwendigen Infos von Fahrern und Mitfahrern sollen über diese Plattform erhoben und auf einem "kommunal in der Region verwalteten Server" gespeichert werden. Neben Privat- und Firmenfahrzeugen sollen neben dem ÖPNV sowie Sharing- und Taxi-Anbieter in diese Plattform optimal eingebunden werden. Auf diesem Weg soll die Verkehrssituation in den Mittelzentren Aalen und Heidenheim insbesondere zu Stoßzeiten deutlich entlastet werden. Durch eine E-Mobilitätsoffensive soll die Anschaffung und Nutzung von E-Fahrzeugen gefördert werden. Beide Maßnahmen sollen eine deutliche Verringerung des CO2- und NOx-Ausstoßes bewirken. Beim ÖPNV soll mittels einer Werbekampagne dessen Attraktivität aufgezeigt werden.
In der anstehenden Projektphase 2 kann die Stadt Aalen auf die Unterstützung des Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter bauen. Er hat bereits in einem Brief an die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek um weitere Unterstützung von „AA-MOBIL“ geworben. „Ich bin begeistert von den Lösungsvorschlägen und über die Möglichkeit, dieses Projekt mit den Mobilitätsbedürfnissen von Unternehmen wie Zeiss zu verbinden“, äußerte sich der von der Projektarbeit angetane Bundestagsabgeordnete Kiesewetter.
Weiteres Vorgehen
Bis zum 01. Dezember 2020 besteht die Möglichkeit, eine Projektskizze für die zweite Phase der Fördermaßnahme „MobilitätsWerkStadt 2025“ einzureichen. Die Stadt Aalen wird ihr Konzept mit Unterstützung der Projektpartner und weiteren interessierten Akteuren sowie der Partnerkommune Heidenheim einreichen. 15 innovative Mobilitätskonzepte insbesondere aus den in Phase 1 geförderten 50 Kommunen werden voraussichtlich von Mitte 2021 bis Mitte 2024 in der zweiten Projektphase eine Förderung erhalten.
Bisherige Pressemitteilungen, u.a.
Informationsdefizite erschweren den Umstieg auf Elektroautos, GenoGraph News vom 14.09.2020: https://www.wir-leben-genossenschaft.de/de/Informationsdefizite-erschweren-den-Umstieg-auf-Elektroautos-8964.htm
Über 1.300 Befragte beteiligen sich am Projekt AA-Mobil, Stadt Aalen vom 01.07.2020: https://www.aalen.de/ueber-1-300-befragte-beteiligen-sich-am-projekt-aa-mobil.154628.25.htm
Und hier gehts zur website der Begleitforschung der BMBF-Richtlinie "MobilitätsWerkStadt 2025" https://www.zukunft-nachhaltige-mobilitaet.de/