Aalen. Im Tagungsraum der Kreissparkasse Ostalb in Aalen herrscht gespannte Stille, als das erste Studierendenteam seine Präsentation startet. Kurz darauf wird leidenschaftlich diskutiert, verteidigt und unternehmerisch gedacht. Die Präsentationsveranstaltung des sechsten Semesters im Studiengang Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen (BWL für KMU) an der Hochschule Aalen ist längst mehr als eine klassische Prüfungsleistung: Sie ist ein praxisnaher Härtetest für angehende Führungskräfte und potenzielle Gründerinnen und Gründer.
Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung „Geschäftsmodell und Businessplan“ von Prof. Dr. Holger Held steht die Anwendung von Theorie auf reale Herausforderungen. „Eine Idee klingt oft gut – aber kann sie auch Probleme lösen oder Kundenbedürfnisse befriedigen? Genau das müssen die Teams beantworten“, erklärt Held. Entscheidend seien dabei Kundennutzen, Differenzierung, Skalierbarkeit und ein tragfähiges Finanzierungskonzept.
Vielfältige Geschäftsideen
Die Studierenden präsentierten eine breite Palette an Geschäftsideen. Ein Team entwickelte mit der Studento GbR eine App, die Studierende unkompliziert miteinander vernetzt. Die Plattform bietet Nachhilfe, Talentbörse und soziale Vernetzung – und reagiert damit auf den Wunsch nach mehr Gemeinschaft im Studienalltag.
Einen physischen Gegenpol zum digitalen Hochschulleben bietet das Konzept der VibeActive GmbH. Das geplante Communityhaus soll Rückzugsort, Begegnungsstätte, Fitnessraum und Netzwerkplattform zugleich sein – ein Ort für Austausch, Entlastung und neue Kontakte.
Kosmetik-Tools und Fußballschuh
Mit klarem Nachhaltigkeitsfokus positioniert sich die Lovella GmbH. Das Unternehmen entwickelt umweltfreundliche Anprobierhauben für Make-up und adressiert damit ökologische und hygienische Fragestellungen im Kosmetikhandel – ein Nischenprodukt mit gesellschaftlicher Relevanz.
Die VereinsMatch GmbH wiederum nimmt sich der strukturierten Sponsorengewinnung für Vereine an. Von der Analyse potenzieller Partner bis zum professionellen Sponsoring-Management soll ein Dienstleistungsangebot entstehen, das Vereine finanziell stabiler und strategisch stärker macht.
Besonders großes Interesse weckte die FlexiKick GmbH: Ein multifunktionaler Fußballschuh mit drei austauschbaren Klettsohlen ermöglicht den Einsatz auf unterschiedlichen Untergründen. Das Konzept von Linus Thum, Manuel Michel und Louis Taglieber überzeugte die Jury durch seine klare Zielgruppenorientierung und das erkennbare Marktpotenzial. Die Kombination aus Kostenersparnis und hoher Alltagstauglichkeit wurde trotz verschiedener Umsetzungsproblematiken als vielversprechend bewertet.
Kritische Fragen und intensive Diskussionen
Das bewährte Expertengremium aus Praxisvertretern und Hochschulangehörigen prüfte die Konzepte genau. Die Jury bestand neben Prof. Held aus Michael Kohn von der VR-Bank Ostalb eG, Marc Deppner von der Kreissparkasse Ostalb und Christian Kling vom Gründungscampus der Hochschule Aalen. Neben Innovationsgrad und Marktchancen standen insbesondere Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Risikoeinschätzungen und strategische Positionierung im Fokus.
Für die Studierenden bedeutete dies: argumentieren, verteidigen, nachschärfen. „Gerade diese intensive Auseinandersetzung und das Präsentieren außerhalb der Hochschule vor einer Expertenjury macht den besonderen Wert des Projekts aus. Unternehmerisches Denken entsteht nicht im luftleeren Raum“, betont Deppner. „Es entsteht dort, wo Ideen hinterfragt und weiterentwickelt werden“, ergänzt Kohn. Die Veranstaltung zeige eindrucksvoll, wie aus betriebswirtschaftlichem Know-how konkrete unternehmerische Perspektiven wachsen können.
Artikel der Schwäbischen Post.