Bachelorarbeit zu Strategiearbeit auf Konferenz vorgestelltStudent der Hochschule Aalen konzipiert Teilmodell für turbulenzinduzierten Strategieprozess

Kuala Lumpur, Malaysia. Die im produzierenden Sektor stark vertretenen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sehen sich seit Jahren verstärkt mit exogenen Schocks und Disruptionen (Ukraine- und Energiekrise, COVID-19 Pandemie oder die globale Halbleiterkrise) konfrontiert. Hierdurch müssen Technologiestrategien häufiger und unabhängig der formalen Planungs- und Budgetierungsprozesse überdacht werden. Volatile Märkte sowie die fortschreitende Digitalisierung lassen die Notwendigkeit erahnen, formale Planungsprozesse um turbulenzinduzierte Strategieprozesse zu komplettieren. Mit der Konzeption der Initiierungsphase eines solchen Strategieprozesses schloss die Bachelorarbeit eine Forschungslücke. Das aus der Arbeit entstandene Paper wurde nun auf der IEEM in Malaysia vor internationalem Publikum vorgestellt.

Analyse bestehender Ansätze offenbart Forschungsbedarf

Bei der Entstehung der Abschlussarbeit wurde nach wissenschaftstheoretischer Einordnung und Aufarbeitung von Definitionen und Grundlagen eine Würdigung bestehender Strategieansätze vorgenommen. Die Bewertungskriterien im Objektbereich fokussierten hierbei auf die Initiierung selbst sowie die Vorbereitung von strategischen Technologie- und Innovationsentscheidungen. Turbulenz und Diskontinuität wurden als Auslöser berücksichtigt. Im Zielbereich standen die praxisorientierte Vorgehensweise sowie die Charakterisierung der Rahmenbedingungen im Fokus. „Es wurde nach und nach klar, dass theoretisches Defizit bestand und das Grobkonzept einer Charakterisierungsmethodik zur Initiierung eines turbulenzinduzierten Strategieprozess als Lösungshypothese bestätigt werden konnte“, so der Bachelorand. „Hierfür hat Herr Warzawa 21 Strategieansätze aus acht Disziplinen analysiert. Neben vermeintlich naheliegenden Strategieansätzen aus dem Technologiemanagement über das Finanzwesen bis hin zum Onlinehandel“, ergänzt Prof. May.

Charakterisierungsmodell besteht aus fünf Teilmodellen

Nach Klärung formaler und inhaltlicher Modellanforderungen wurde auf Grundlage von Modelltheorie und Systemtechnik eine Referenzmodellierung durchgeführt. Das daraus entstandene Grobkonzept des Modells enthält fünf Bausteine. Erstens wurde der Bedarf nach einer Festlegung des Betrachtungsbereichs ersichtlich. Zweitens besteht eine Gemeinsamkeit in der Prüfung der Anwendungsvoraussetzung. Drittens zeigt sich eine Gemeinsamkeit zur Formierung eines Strategieteams. Viertens verdeutlichte sich ein inhaltlicher Bezugsrahmen und abschließend eine Erstintuition als Gemeinsamkeit. „Das fertige Modell unterteilt die fünf Bausteine in zwei Modellebenen, wobei die erste Ebene die formale Anwendungsvoraussetzung der Methodik darstellt. Die zweite Ebene wird als inhaltlicher Anwendungskontext bezeichnet“, so Dr. Patzwald, der sich im Rahmen seiner Dissertation der Entwicklung von Technologiestrategien in einem volatilen Unternehmensumfeld widmete.

Faszination Strategie

„Mich hat schon immer fasziniert, wie langfristig Pläne verfolgt und Ziele erreicht werden können“, so Warzawa, der neben Zusatzmodulen im Bereich Strategie auch Praktika bei der Strategieberatung Roland Berger und in der Strategieabteilung von ZEISS absolvierte. Die scheinbar immer lückenlosere Aneinanderreihung von Krisen stellt Unternehmen immer häufiger vor spannende, strategische Fragestellungen. Mit solchen Situationen umzugehen, ist immer wieder eine Herausforderung. „Umso besser, dass Forscher vom Fraunhofer-IPT und unsere ambitionierten Studierenden Lösungen liefern“, so Studiengangsleiter Prof. May.